Stagnierende Industrie Chinas Boom bekommt erste Delle

Über Jahre hinweg hat China die Weltwirtschaft angetrieben. Nun deutet sich erstmals an, dass der Boom abflauen könnte. Einem wichtigen Indikator zufolge ist die Industrie zuletzt fast nicht mehr gewachsen. Schuld daran dürfte vor allem die chinesische Regierung sein.
Baustelle in China: Noch ist der Investitionsbedarf hoch

Baustelle in China: Noch ist der Investitionsbedarf hoch

Foto: JIANAN YU/ REUTERS

Peking - Es ist kein gutes Zeichen für die Weltwirtschaft: Chinas Industrie lahmt. Laut dem Einkaufsmanagerindex PMI, einem wichtigen Frühindikator für die Konjunkturentwicklung, ist das verarbeitende Gewerbe im Juni kaum gewachsen - und das bereits zum zweiten Mal in Folge. Der Index fiel auf 50,1 Punkte, im Mai hatte er noch bei 51,6 Punkten gelegen.

Der Trend wird deutlicher, wenn das Ergebnis des Vormonate mit in die Rechnung einbezogen wird: 53,4 Punkte zeigte der Index im März, 52,9 im April. Werte über 50 zeigen Wachstum an, Werte unter 50 bedeuten Schrumpfen. Der Juni-Wert ist der niedrigste seit elf Monaten. Indizes wie der PMI werden durch Befragungen von Einkaufsmanagern größerer Unternehmen erstellt.

Der Dämpfer für die chinesische Wirtschaft ist ein Zeichen der weltweit abflachenden Konjunkturentwicklung. Sie ist aber zum guten Teil auch politisch gewollt. China kämpft seit Monaten gegen steigende Inflationsraten und eine sich überhitzende Wirtschaft. Allein im Mai stiegen die Verbraucherpreise um durchschnittlich 5,5 Prozent. Die chinesische Notenbank hatte deshalb seit vergangenem Herbst mehrfach die Zinsen angehoben, um die Kreditaufnahme für Unternehmen und Privatleute zu verteuern. Die Regierung hielt die Firmen zudem zur Mäßigung bei den Preisen an.

Langfristig plagen China noch größere wirtschaftliche Sorgen. So versucht die Regierung die extreme Exportabhängigabhängigkeit des Landes zu senken und stärker auf den inländischen Konsum zu setzen. Diese Wende dürfte auch deshalb schwerfallen, weil dabei die Löhne steigen und das Wachstum der Industrie bremsen. Nicht zuletzt deshalb versucht China verstärkt, im Ausland zu investieren und dort Produktionskapazitäten aufzubauen. Zuletzt überraschten die Chinesen mit einem spektakulären Investitionsplan in Idaho/USA.

Hinzu kommt ein demografisches Problem: Wegen der Ein-Kind-Politik und den daraus folgenden niedrigen Geburtenraten wird sich der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten drastisch erhöhen. Im Umkehrschluss dürften junge Arbeitnehmer knapp werden, was ebenfalls für steigende Löhne sorgen könnte.

stk/kst/rtr
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