3,6 Prozent Wachstum Forscher sehen Deutschland im Boom

Die Ökonomen hierzulande bilden sich mehr und mehr die gleiche Meinung: Deutschlands Wirtschaft werde 2011 kaum langsamer als im starken Vorjahr wachsen. Jetzt haben auch das HWWI und das IfW ihre Wachstumsprognose für die Bundesrepublik kräftig angehoben - aber warnen vor neuen Risiken.
Arbeiter im Mercedes-Werk in Sindelfingen: Derzeit hohe Auslastung deutscher Industriebetriebe

Arbeiter im Mercedes-Werk in Sindelfingen: Derzeit hohe Auslastung deutscher Industriebetriebe

Foto: Bernd Weißbrod/ picture alliance / dpa

Hamburg - Die Lage wird offenbar übersichtlicher. Steigende Industrieproduktion im April, weiterhin hohe, wenn auch zuletzt etwas nachlassende, Aufträge für die hiesigen Unternehmen und vermehrte Einstellungen bis hin zu den angehenden Auszubildenden: Die Wirtschaft hierzulande ist derzeit auf Wachstumskurs - und mehr und mehr Auguren bilden sich eine ähnliche Meinung über das Ausmaß des Zuwachses.

Jetzt haben das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und das Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) in Kiel ihre Wachstumsprognose für Deutschland im laufenden Jahr kräftig angehoben. Die HWWI-Forscher rechnen nun mit einem Plus von 3,5 Prozent im laufenden Jahr, die IfW-Experten mit 3,6 Prozent. Beide Institute haben damit ihre bisherigen Voraussagen geradezu über den Haufen geworfen: Noch im März rechneten die HWWI-Leute nur mit einem bescheidenen Plus hierzulande in Höhe von 2,3 Prozent, ihre Kieler Konkurrenten waren mit 2,8 Prozent nur wenig näher an der jetzigen Prognose.

"Auch wenn die Konjunkturdynamik von Jahresbeginn so nicht anhalten dürfte, stehen die Chancen für eine Fortsetzung des Aufschwungs von binnenwirtschaftlicher Seite recht gut", sagten die HWWI-Forscher deshalb - und warnten zugleich vor neuen Gefahren für den Wirtschaftsaufschwung hierzulande, die insbesondere aus der Schuldenkrise in der Euro-Zone hervorgingen: Selbst beim Zustandekommen eines neuen Rettungspakets für Griechenland wäre die Staatsschuldenkrise nicht überwunden. Außerdem könnten sich die Unruhen in Nordafrika und Nahost ausweiten und den deutschen Aufschwung belasten.

Belastungsfaktor Ölpreis

Experten der Deutschen Bank rechnen mittlerweile auch den steigenden Ölpreis zu den Konjunkturgefahren. Erst gestern Abend hatte sich das Ölkartell Opec nicht auf eine Erhöhung der Ölförderung verständigen können, obwohl sich gerade international immer mehr Risiken für die Wirtschaft abzeichnen. Schon der aktuelle Ölpreis von heute Morgen von 117 Dollar für ein Fass der Nordseesorte Brent komme der Schwelle von 120 Dollar je Barrel nahe, ab der es nach Meinung der Deutsche-Bank-Experten für die aktuelle Lage der Weltwirtschaft kritisch werden könnte.

Das IfW begründete seine aktuelle, deutlich in die Höhe geschraubte Konjunkturprognose nicht zuletzt mit dem bereits erreichten Produktionsniveau hierzulande. Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten dürften mittlerweile wieder normal ausgelastet sein, schätzt das IfW. Ab jetzt stütze aber auch die Investitionstätigkeit die deutsche Konjunktur. Die Zunahme des privaten Verbrauchs falle mit 1,7 Prozent so kräftig aus wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Aufwärtsentwicklung werde also vor allem durch die Binnennachfrage getragen.

Zudem, geben die HWWI-Forscher zur Erklärung ihres neuen Konjunkturoptimismusses zu bedenken, sei die Zahl der Arbeitslosen mittlerweile unter die Marke von drei Millionen gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit fast zwanzig Jahren. In Deutschland gebe es derzeit etwa eine halbe Million mehr Erwerbstätige als vor der Wirtschaftskrise vor zwei Jahren. "Auch wenn die Konjunkturdynamik von Jahresbeginn so nicht anhalten dürfte, stehen die Chancen für eine Fortsetzung des Aufschwungs von binnenwirtschaftlicher Seite recht gut", sagten die HWWI-Forscher deshalb.

kst/dpa/rtr/dapd
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