Dienstag, 20. August 2019

Ifo-Geschäftsklimaindex Wirtschaftslenker weiter in Hochstimmung

Gute Stimmung unter Deutschlands Managern: Die Unternehmenslenker beurteilen ihre Lage erneut besser, die Erwartungen trübten sich allerdings etwas ein

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai überraschend auf hohem Niveau stabilisiert. Nach dem starken Wirtschaftswachstum im ersten Quartal waren Experten eigentlich davon ausgegangen, dass die Unternehmenslenker ihre Lage zunehmend pessimistischer beurteilen.

Berlin - Der Ifo-Geschäftsklimaindex verharrt im Mai überraschend auf dem Vormonatsniveau von revidiert 114,2 Zählern, wie das Münchener Institut mitteilte. Experten hatten mit einem Rückgang gerechnet, nachdem das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft bereits zuvor zwei Mal gesunken war. "Die Konjunkturampeln in Deutschland stehen nach wie vor auf grün" , sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Das Ifo-Institut hat seinen Index zur Umfrage unter rund 7000 Firmen im Mai umgestellt und neu gewichtet. Daneben ändert sich auch das Basisjahr von 2000 auf 2005. Deshalb wurden frühere Ergebnisse teilweise stark revidiert.

Die befragten Manager beurteilten ihre Lage günstiger als zuletzt, der Teilindex stieg auf 121,4 Punkten von revidiert 121 Zählern. Ihre künftigen Geschäfte bewerteten die Unternehmen etwas skeptischer, die Erwartungskomponente sank auf 107,4 Punkte von revidiert 107,7 Zählern.

Unstrittig unter Fachleute ist, dass der inzwischen breite Aufschwung im Jahresverlauf an Fahrt verliert. Höhere Investitionen der Unternehmen, mehr Konsum durch die Verbraucher und steigende Exporte verhalfen der Wirtschaft im ersten Quartal noch zu einem Wachstum von 1,5 Prozent. Zwei Drittel des Wachstums kamen von der Binnennachfrage, das restliche Drittel vom Außenhandel.

Volkswirte reagieren erfreut

In den nächsten Quartalen dürfte die Erholung geringer ausfallen. Unter dem Strich trauen Experten der heimischen Wirtschaft 2011 das zweite Jahr in Folge ein Wachstum von mehr als 3 Prozent zu. Das hat es seit der Wiedervereinigung noch nie gegeben. 2010 hatte es mit 3,6 Prozent den stärksten Zuwachs im wiedervereinigten Deutschland gegeben.

Volkswirte reagierten erfreut auf die Ifo-Daten. "Der Index fällt besser aus als erwartet", meint Ralph Solveen von der Commerzbank. Christian Schulz von der Berenberg Bank glaubt, dass sich die Stimmung in Deutschland nur ganz langsam eintrüben wird. "Die Schuldenkrise in Europa bleibt bislang auf die Finanzmärkte beschränkt und hat auf die Realwirtschaft noch keinen Einfluss. Deshalb werden auch vom Außenhandel weiterhin Impulse kommen."

Andreas Scheuerle von der Dekabank würde sich dagegen einen Rückgang des Index wünschen. "Wir brauchen eine Wachstumsverlangsamung, wenn der deutsche Konjunkturmotor nicht überhitzen soll", so der Experte.

Das Ifo-Geschäftsklima ist das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft. Es basiert auf einer monatlichen Umfrage bei rund 7000 Unternehmen.

mg/rtr/dpa-afx

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