Jahresprognose Währungsfonds hält Deutschland für noch stärker

Aus dem robusten Wachstumsplus Deutschlands im ersten Quartal soll ein starkes Gesamtjahr werden: Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für die hiesige Wirtschaft deutlich angehoben. Sie könnte im laufenden Jahr um mehr als 3 Prozent zulegen.
Montage eines Schiffsantriebs: Durchwachsene Konjunktursignale aus den USA

Montage eines Schiffsantriebs: Durchwachsene Konjunktursignale aus den USA

Foto: Stefan Puchner/ dpa

Berlin - Der kräftige Wirtschaftsaufschwung im ersten Quartal hatte sich lange angedeutet: Die Auftragseingänge (mit zuletzt einem kleinen Rücksetzer) und Beschäftigung stiegen hierzulande über Monate deutlich, die Ausfuhren erreichten Rekorde, die Produktion in der deutschen Industrie schnellte auf Vorkrisenniveau - mit Auslastungsgraden von vergleichsweise hohen 85 Prozent. Der mm-Konjunkturindikator hatte nicht zuletzt deshalb schon lange ein kräftiges Plus für die hiesige Wirtschaft im laufenden Jahr von 3,5 Prozent signalisiert. Zu ähnlichen, wenn auch nicht ganz so optimistischen, Schätzungen kommt jetzt auch der Internationale Währungsfonds (IWF).

Die IWF-Experten haben ihre bisherige Schätzung für das deutsche Wirtschaftsplus im Gesamtjahr 2011 aktualisiert: Die Wirtschaft in Deutschland könnte demnach auch im laufenden Jahr um mehr als 3 Prozent zulegen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag unter Berufung auf den aktuellen IWF-Länderbericht mit.

Der Fonds hatte seine Prognose angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands erst vor einem Monat um 0,3 Punkte auf 2,5 Prozent in diesem Jahr angehoben. Doch in den ersten drei Monaten war die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Schlussquartal 2010 um 1,5 Prozent gewachsen - und damit noch stärker als vermutet.

Der IWF forderte Deutschland daher dazu auf, seine aktuellen Wirtschaftserfolge durch eine längerfristige Stärkung seiner Wachstumskräfte auszubauen. Gelinge dies, sei das letztlich gut für Europa und die gesamte Weltwirtschaft.

Finanzprofis für die Zukunft skeptisch

Einige Finanzexperten beurteilen die Aussichten in den kommenden Monaten allerdings skeptischer - auch wegen der Schuldenkrise im Euro-Raum. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sanken im Mai um 4,5 Punkte auf 3,1 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mitteilte. Es war der dritte Rückgang in Folge. Der Index liegt damit weit unter dem historischen Mittelwert von 26,5 Punkten - doch das, geben die ZEW-Forscher zu, liege insbesondere an dem statistischen Effekt der nochmalig verbesserten aktuellen Lageeinschätzung. Von einem Abrutschen des deutschen Aufschwungs wollen auch sie deshalb nicht sprechen.

Aus dem Rückgang der Konjunkturerwartungen dürfe aber nicht auf ein baldiges Ende des Aufschwungs geschlossen werden, erklärten dann auch Volkswirte der Commerzbank den aktuellen ZEW-Konjunkturtest. Sie erwarten im Gesamtjahr einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland um 3,4 Prozent.

"Deutschland hat die Folgen des Wirtschaftseinbruchs unerwartet schnell wettgemacht. Diese erfreuliche Dynamik wird sich indes nicht ungebremst fortsetzen", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Hinzu kämen Risiken wie die Schuldenkrise im Euro-Raum. Auch durchwachsene Konjunktursignale aus den USA und ein schwächerer Ausblick für China dürften die Erwartungen eher gedämpft haben.

kst/dpa-afx/rtr
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