ZEW Deutschland fällt auf XL-Aufschwung zurück

Es ist ein klares Signal: Finanzprofis sehen Deutschlands Wirtschaft in einer so guten Verfassung, wie nie zuvor seit der deutschen Einheit. Das teils stürmische Aufschwungtempo aber sei bald nicht mehr zu halten. Deutschland fällt offenbar von einem XXL-Plus auf ein XL-Plus zurück.
Klares Signal: Deutschland bleibt im Aufschwung, das Tempo aber steigt nicht mehr

Klares Signal: Deutschland bleibt im Aufschwung, das Tempo aber steigt nicht mehr

Foto: dapd

Mannheim - Die Bundesbürger können derzeit beruhigt auf die Zukunft setzen. Die Wirtschaft hierzulande ist auch nach neuesten Umfragen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in blendender Verfassung. Die Mannheimer Forscher haben dazu die Finanzmarktexperten hierzulande befragt - und daraufhin die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage Deutschlands auf ein Allzeithoch taxiert: Sie hoben den entsprechenden ZEW-Indikator noch einmal um 4,4 Punkte auf 91,5 Indexzähler an. Damit allerdings, das signalisiert die jüngste Umfrage der Mannheimer Forscher ebenfalls, dürfte der Aufschwunggipfel in der Bundesrepublik erreicht sein.

Im Mai fiel der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) berechnete Index zur Konjunkturerwartung im Vergleich zum Vormonat um 4,5 Punkte auf 3,1 Zähler. Das liegt weit unter dem historischen Mittelwert von 26,5 Punkten, signalisiert aber in diesem Fall keine Rezessionsgefahr.

"Deutschland hat die Folgen des Wirtschaftseinbruchs unerwartet schnell wettgemacht", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Diese erfreuliche Dynamik werde sich aber eben nicht ungebremst fortsetzen. Zuletzt sorgten zudem Meldungen für Aufsehen, dass Ostdeutschland das Westtempo derzeit nicht mitgehen kann und sich somit im aktuellen Aufschwung die Schere zwischen West und Ost wieder öffnet - obwohl auch die Lage im Osten der Republik Schritt für Schritt besser wird.

Die Commerzbank mahnt bei der Interpretation des ZEW-Index derzeit ebenfalls zur Vorsicht. Nach dem dritten Rückgang in Folge drohe der richtungsweisende Sechs-Monats-Schnitt wieder nach unten zu drehen, heißt es in einer Studie vom Dienstag. "Allerdings wäre dies das dritte Wendesignal in etwas mehr als einem Jahr, ohne dass es einen Richtunsgwechsel bei der Konjunktur gegeben hätte."

Noch deutlicher werden die Experten der Investmentbank Goldman Sachs : Der unerwartet starke Rückgang der Erwatungskomponente resultiere einfach aus dem erneuten Anstieg bei der Bewertung der aktuellen Lage durch die befragten Finanzmarktexperten, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten kurzen Stellungnahme. Insgesamt sehen die Goldman Sachs Experten in den ZEW-Daten "nur wenig grundlegend neue Informationen über den guten Zustand der deutschen Wirtschaft".

Dennoch sind sich alle Experten sicher: Mit dem aktuellen, teils stürmischen Aufschwungtempo wird es nicht weitergehen, der Zenit des deutschen Konjunkturhochs dürfte überschritten sein - bei weiterhin historisch solidem Fortschritt. "Von diesem aktuell hohen Niveau aus kann es nur noch schlechter werden", interpretiert dann auch die Hessische Landesbank (Helaba) den aktuellen ZEW-Konjunkturtest.

kst/dpa-afx/rtr/afp
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