Mittwoch, 23. Oktober 2019

Deutsche Wirtschaft Stärkstes Wachstum seit der Wiedervereinigung

Viele Aufträge: Die Baubranche profitierte von Nachholeffekten, weil am Jahresende viele Arbeiten witterungsbedingt liegen geblieben waren

Trotz EU-Schuldenkrise und Inflation ist die deutsche Wirtschaft nicht zu bremsen: In den ersten drei Monaten des Jahres hat sich das Wachstum dank der starken Binnenwirtschaft fast vervierfacht und damit das Vorkrisenniveau wieder überschritten. Ein Ende des Höhenflugs ist allerdings in Sicht.

Wiesbaden - Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, teilte das Statistische Bundesamt mit. "Damit wurde das Vorkrisenniveau von 2008 bereits jetzt wieder erreicht", schrieben die Statistiker. Die Bundesregierung hatte nur mit einem Plus von 0,8 Prozent gerechnet, Volkswirte waren im Schnitt von 0,9 Prozent ausgegangen.

Am Jahresende hatte es lediglich ein Plus von 0,4 Prozent gegeben, weil der harte Winter vor allem die Baubranche ausbremste. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gab es nun mit 5,2 Prozent sogar das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung.

Getragen wurde es vor allem von der Binnenwirtschaft. "Sowohl die Investitionen in Ausrüstungen und in Bauten als auch die Konsumausgaben konnten zum Teil deutlich zulegen", hieß es. Die Baubranche profitierte dabei von Nachholeffekten, weil am Jahresende viele Arbeiten witterungsbedingt liegen geblieben waren.

Wachstumshöhepunkt überschritten

"Die Expansion von Exporten und Importen setzte sich ebenfalls fort", schrieben die Statistiker. Der Außenhandel habe aber weniger zum Wachstum beigetragen als die Binnenwirtschaft.

Experten zufolge hat die deutsche Wirtschaft ihren Wachstumshöhepunkt damit überschritten. Analysten rechnen bis Ende 2012 nur noch mit einem durchschnittlichen Quartalszuwachs von 0,5 Prozent. Die Risiken für die Konjunktur haben zuletzt zugenommen: Sie reichen von der Schuldenkrise in Europa über die steigende Inflation bis hin zur Japan-Krise.

Dennoch wird der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von rund 3 Prozent zugetraut. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, sagte in der ARD, mit etwas Glück könnte es sogar mehr werden. 2010 hatte es mit 3,6 Prozent den stärksten Zuwachs seit der Wiedervereinigung gegeben. Dem war 2009 wegen der Finanzkrise allerdings auch mit 4,7 Prozent der schwerste Einbruch seit rund 60 Jahren vorausgegangen.

mg/rtr

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