Dienstag, 28. Januar 2020

Exporte und Importe Außenhandel bricht alle Rekorde

Exportboom in Deutschland: "Deutschland hat eine goldene Dekade vor sich"

Die deutschen Exporteure haben im März so viele Waren ins Ausland verkauft wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. Dank der starken Nachfrage aus Europa stieg der Exportumsatz um knapp 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmponat. Auch die Importe erreichten eine neue Höchstmarke.

Berlin - Deutsche Unternehmen setzten im März Waren im Wert von 98,3 Milliarden Euro im Ausland ab, das sind 15,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit wurde der im April 2008 erreichte Rekord von 88,8 Milliarden Euro deutlich übertroffen, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Für den Boom sorgte vor allem die kräftige Nachfrage aus den EU-Ländern: Sie zog um 16 Prozent an. Bei den EU-Ländern, die nicht zur Euro-Zone gehören, gab es sogar ein Plus von 20 Prozent. Die Lieferungen nach China, Brasilien und anderen Drittstaaten stiegen im Vergleich dazu nur um 15,4 Prozent.

Die Importe kletterten um 16,9 Prozent auf 79,4 Milliarden Euro und erreichten ebenfalls einen seit Einführung der Statistik 1950 noch nie erreichten Wert. Die alte Rekordmarke lag bei 74,1 Milliarden Euro und wurde im vergangenen November erreicht.

Experten erwarten trotz steigender Risiken kein Ende des Exportbooms. "Deutschland hat eine goldene Dekade vor sich", sagte Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Die Wettbewerbsvorteile, die sich Deutschland seit Beginn der Agenda 2010 erarbeitet hat, zahlen sich jetzt aus" - trotz des Gegenwindes, der von hohen Rohstoffkosten und dem teuren Euro kommt.

Exportumsatz von einer Billion Euro erwartet

"Die deutschen Exporteure sind international sehr gut aufgestellt und offensichtlich in der Lage, den Belastungen zu trotzen", sagte Thorsten Polleit von Barclays. Allerdings könnten Sondereffekte wie die späten Osterferien das gute Ergebnis beeinflusst haben. Von Januar bis März stiegen die Exporte um 19,9 Prozent auf 260,9 Milliarden Euro. Der Branchenverband BGA erwartet, dass der Exportumsatz in diesem Jahr erstmals die Marke von einer Billion Euro übertrifft.

Im Vergleich zum Vormonat kletterten die Exporte um 7,3 Prozent. Analysten hatten lediglich ein kalender- und saisonbereinigtes Plus von 0,8 Prozent vorhergesagt. Die Importe legten um 3,1 Prozent zu, hier hatten die Experten ein Plus von 0,4 Prozent erwartet. Der bereinigte Handelsbilanzüberschuss - die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren - kletterte auf 15,2 Milliarden Euro.

Analysten rechnen mit einem starken Wachstum von bis zu 1,2 Prozent im ersten Quartal. Damit hätte die Wirtschaft ihr Tempo gegenüber dem Schlussquartal 2010 verdreifacht. Eine erste Schätzung veröffentlich das Statistikamt an diesem Freitag.

Ein solch kräftiges Wachstum dürfte die Wirtschaft aber so schnell nicht wieder erreichen. "Die sehr hohen Zuwachsraten, die wir in der Vergangenheit gesehen haben, werden beim Außenhandel nicht so weitergehen", sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. "Bei den Auftragseingängen lässt das Tempo bereits nach, ebenso beim Welthandel."

mg/rtr

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung