Einkaufsmanagerindex Kein Ende des Industriebooms in Sicht

Der deutschen Industrie geht es so gut wie lange nicht mehr. Die Unternehmen haben ihre Produktion im April deutlich erhöht, der Einkaufsmanagerindex stieg auf den zweithöchsten Stand aller Zeiten. Lieferengpässe wegen der Naturkatastrophe in Japan beschleunigen allerdings die Preissteigerungen.
Produktion in Augsburg: Die Unternehmen steigerten ihre Produktion den 22. Monat in Folge

Produktion in Augsburg: Die Unternehmen steigerten ihre Produktion den 22. Monat in Folge

Foto: dapd

Berlin - Die Industriefirmen haben ihre Produktion im zweiten Qartal kräftig hochgefahren, teilten die Markit-Experten zu ihrer Umfrage unter etwa 500 Unternehmen mit. Zugleich stockten sie ihre Belegschaften weiter auf.

"Die April-Daten deuten auf ein außerordentlich starkes Wachstum der deutschen Industrie hin", sagte Markit-Volkswirt Tim Moore. Dennoch bleibt der Kostendruck hoch, und immer mehr Firmen bekommen Lieferengpässe zu spüren. Zunehmend berichteten die Unternehmen über Schwierigkeiten, benötigte Teile aus Japan zu bekommen. Das Erdbeben, die Flutwelle und die Atomkatastrophe in dem ostasiatischen Land machten besonders den Elektrofirmen zu schaffen.

Der Einkaufsmanagerindex stieg von 60,9 Punkten im März auf 62,0 Zähler und erreichte damit den zweithöchsten Stand seit Umfragebeginn vor 15 Jahren. In einer ersten Schätzung hatten die Experten lediglich einen Anstieg auf 61,7 Punkte vorhergesagt. Damit notiert das Barometer weiter deutlich über der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird.

Auftragsbücher voll, viele Neueinstellungen

Die Firmen steigerten ihre Produktion den 22. Monat in Folge. Vor allem die Hersteller von Investitions- und Vorleistungsgütern beschleunigten ihre Bänder. Doch auch die Konsumgüterproduzenten, die den anderen Sektoren zuletzt hinterherhinkten, stellten mehr her.

Das Neugeschäft legte zwar nicht mehr so stark zu wie in den Vormonaten. Dennoch reichten die Kapazitäten der Firmen nicht aus, um alle Bestellungen rasch abzuarbeiten. In der Folge füllten sich die Auftragsbücher wie seit neun Monaten nicht mehr.

Als Reaktion darauf stockten die Unternehmen ihr Personal weiter auf. Seit einem Jahr steigt die Beschäftigung in der Industrie Monat für Monat, im März stellten die Firmen im Rekordtempo ein. Das Plus im April fiel nur etwas geringer aus.

Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt bessert sich weiter, derzeit sind so wenige Menschen ohne Job wie seit 1992 nicht mehr. BA-Chef Frank-Jürgen Weise rechnet damit, dass schon im Mai die psychologisch wichtige Schwelle von drei Millionen Arbeitslosen unterschritten wird.

Stimmung in Italien hat sich eingetrübt

Zugute kam den Unternehmen ein etwas nachlassender Kostendruck, wenngleich sie etwa für Rohmaterialien immer noch hohe Preissteigerungen hinnehmen müssen. Vor allem Chemikalien, Elektronikteile, Energie und Metalle waren teurer. In der Folge hoben die Industrieunternehmen ihre eigenen Preise kräftig an, der Preisanstieg war so stark wie noch nie seit Beginn der Datenerfassung dieser Umfragedetails im September 2002.

Die Inflation in Deutschland hatte zuletzt mit 2,4 Prozent den höchsten Stand seit Oktober 2008 erreicht. Das bereitet der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend Kopfschmerzen: Die Währungshüter hoben ihren Leitzins im April erstmals seit drei Jahren an.

Allerdings geht es vor allem in Deutschland und Frankreich nach oben. In Spanien stagniert die Industrie dagegen, im hoch verschuldeten Griechenland verharrt sie tief in der Rezession. Auch in der drittgrößten Volkswirtschaft Italien trübte sich die Stimmung hingegen ein.

mg/dpa-afx

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.