Aufschwung Manager glauben an Deutschland

Der Tenor ist einhellig: Deutschlands Wirtschaft ist in einer Topverfassung. Davon sind Deutschlands Manager überzeugt, und sie rechnen weiterhin mit viel Schwung für die Wirtschaft hierzulande. Das signalisiert der Ifo-Geschäftsklimaindex. Aber er zeigt auch, dass die Zukunftseuphorie nachlässt. 
Stahlkocher bei der Arbeit: Noch läuft die Konjunktur in Deutschland auf Hochtouren

Stahlkocher bei der Arbeit: Noch läuft die Konjunktur in Deutschland auf Hochtouren

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

München - Die deutschen Manager bleiben ungeachtet massiver Risiken wie Euro-Schuldenkrise, Libyen-Krieg und Atom-GAU in Japan bei bester Laune. Zwar sank der am Donnerstag veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex im April wie erwartet den zweiten Monat in Folge. Doch auch nach dem Rückgang um 0,7 auf 110,4 Punkte bleibt das Konjunkturbarometer des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung in Reichweite des erst im Februar aufgestellten Rekords von 111,3 Zählern.

"Trotz erheblicher Risiken auf der internationalen Ebene geht es den Unternehmen in Deutschland ausgezeichnet", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu der Umfrage unter 7000 Managern. Diese schätzten die Lage so gut ein wie seit über 20 Jahren nicht mehr, bewerteten die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate dagegen etwas schlechter. Bundesregierung und Ökonomen rechnen dennoch mit einem anhalten Aufschwung.

"Pünktlich zu Ostern ist die deutsche Wirtschaft weiter in ausgezeichneter Frühlingslaune", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Wegen der anziehenden Binnennachfrage gewinne die Erholung "weiter an Substanz und wird widerstandsfähiger". Während die Exporteure wegen der weltweiten Erholung volle Auftragsbücher besitzen, profitieren Handel und Dienstleister von der stark sinkenden Arbeitslosigkeit.

Allerdings dürften die Unternehmen künftig einen Gang zurückschalten. "Die allerbesten Konjunkturzeiten gehen in den nächsten Monaten vorbei", sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen. Ein Abschwung drohe allerdings nicht. "Es sieht weiter gut aus für unsere Wirtschaft", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. "Die Lage ist so gut, dass es kaum noch besser werden kann. Deshalb würde ich den Rückgang der Erwartungen nicht so hoch hängen."

Ifo-Experte Abbeger: Der Euro dämpft die Exporte

Die Konjunkturrisiken haben aber deutlich zugenommen. Die Schuldenkrise droht von Europa über den Atlantik zu schwappen, nachdem die Ratingagentur S&P den USA mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht hat. Ein Ende des Libyen-Krieges - der die Ölpreise kräftig nach oben getrieben hat - ist nicht in Sicht. Auch die Atom-Katastrophe in Japan ist längst nicht ausgestanden, ebenso wenig die Gefahr von Unterbrechungen von Lieferketten durch die Folgen des Jahrhundertbebens. Hinzu kommen eine hohe Inflation, steigende Zinsen und der teure Euro.

Diese Ballung von Gefahren hinterließ bereits Spuren. So trübte sich in der exportabhängigen Industrie die Stimmung leicht ein. "Der starke Euro wird in Zukunft die Exporttätigkeit dämpfen", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger zu Reuters. Die Gemeinschaftswährung kostet erstmals seit Dezember 2009 wieder mehr als 1,46 Dollar. Das macht deutsche Waren in anderen Währungsräumen teurer. Dennoch wollen die Industriebetriebe neue Mitarbeiter einstellen. Die Japan-Krise habe sich bislang kaum negativ ausgewirkt. "Es mag Effekte geben", sagte Abberger. "Wir haben in Deutschland aber keine Branche, in der es ein Absacken gibt."

Auch im Groß- und Einzelhandel verschlechterte sich das Klima ein wenig, während es sich in der Baubranche und bei den Dienstleistern aufhellte. Nach Prognose der Bundesregierung hat sich das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal auf rund 0,8 Prozent verdoppelt. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 13. Mai. Für das laufende Frühjahrsquartal erwarten Analysten ein Plus von 0,5 Prozent. Die meisten Experten trauen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von bis zu 3 Prozent zu und rechnen für 2012 mit einem Plus von etwa 2 Prozent.

cr/dpa/rtr/dpa-afx/afp
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