Andauernder Zuwachs Deutschland erlebt Industrieboom

Rasante Beschleunigung: In den Werkshallen der deutschen Industrie ist die Produktion zuletzt so kräftig in die Höhe getrieben worden, wie seit Herbst 2002 nicht mehr. Deutschlands Wirtschaft hat damit seine Ausnahmelage in Europa zementiert - und stabilisiert mit der französischen weiter halb Europa.
Roboter-Hersteller Kuka: Deutsche Industrie erlebt solides Wachstum

Roboter-Hersteller Kuka: Deutsche Industrie erlebt solides Wachstum

Foto: Stefan Puchner/ picture alliance / dpa

Hamburg - Mehr Aufträge, mehr Mitarbeiter: Trotz einer Vielzahl weltwirtschaftlicher Risiken wie der Japan-Krise und dem Libyen-Krieg hat die deutsche Industrie im Frühjahr nochmals zugelegt. Ihre Geschäfte wuchsen im April deutlich schneller als im Vormonat, teilten die Marktforscher von Markit am Dienstag zu ihrer Umfrage unter 500 Unternehmen mit. Der Einkaufsmanagerindex kletterte von 60,9 auf 61,7 Punkte. Ab 50 Zählern signalisiert das Barometer ein Wachstum. "Die Produktion legte so stark zu wie noch nie seit Beginn der Statistik im September 2002", sagte Markit-Experte Tim Moore.

Bei den Dienstleistern hierzulande lief es dagegen etwas schlechter. Deren Einkaufsmanagerindex sank von 60,1 auf 57,7 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahr. Unter dem Strich hätten die Unternehmen hierzulande erneut viele Mitarbeiter eingestellt. "Darin spiegeln sich kräftige Auftragszuwächse und hohe Auftragsbestände wider", sagte Moore.

"Vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage, der Ereignisse in Japan und der Turbulenzen in der Euro-Zone sind das spektakulär gute Daten für Deutschland. Gerade in der Industrie läuft es ausgezeichnet. Im Dienstleistungssektor macht sich dagegen etwas Ernüchterung breit", kommentiert HSBC-Trinkaus-Experte Stephan Schilbe das Markit-Umfrageergebnis.

Insgesamt hat das Wachstum in Deutschland gemeinsam mit dem in Frankreich der gesamten Euro-Zone zuletzt gut getan. Die Industrie fuhr ihre Produktion europaweit hoch, wie die Markit-Experten ermittelt haben. Und auch außerhalb der deutschen Landesgrenzen stellten die Firmen mittlerweile so viele neue Mitarbeiter ein, wie seit Ende 2007 nicht mehr. Doch das Wachstum konzentriere sich weiterhin überwiegend auf Deutschland und Frankreich, während die übrigen Euro-Länder hinterherhinken.

Lage in Europa übertüncht

Der Composite-Einkaufsmanagerindex für den gesamten Euro-Raum, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg auf 57,8 Punkte von 57,6 Zählern im März. Das Barometer deute auf ein Wachstum von 0,8 Prozent im zweiten Quartal hin, schrieben die Experten.

Allerdings ist das verbesserte Europa-Ergebnis speziell für die Industrie auf dem alten Kontinent durch die Ausreißer von Deutschland und Frankreich verzerrt. "Wer die guten Deutschland-Daten für die Industrie rausrechnet, bemerkt einen Rückgang in diesem Sektor für die übrigen Länder. Das zeigt, dass die Kluft in der Euro-Zone weiter zunimmt", sagt Commerzbank-Experte Ralph Solveen.

Insbesondere die vergleichsweise hohen Neueinstellungen seien eine gute Nachricht für die Währungsunion, weil es dazu beitrage, das Wachstum auf eine breitere Basis zu stellen, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Allerdings sei die Wirtschaft immer noch zu stark von der Entwicklung in den beiden größten Staaten des Währungsraums abhängig, von Deutschland und Frankreich.

kst/dpa/afx/rtr
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