Frühjahrsgutachten Deutschland bekommt neuen Wachstumsmotor

Die Wirtschaftsweisen haben ihre Prognose für das Wachstum in Deutschland deutlich angehoben und gehen davon aus, dass sich der Aufschwung auch in 2012 fortsetzen wird. In ihrem Frühjahrsgutachten erwarten die Forscher eine Verschiebung der Aufschwungkräfte - der Wachstumsmotor Export wird abgelöst.
Starke Binnennachfrage: Der Konsum löst den Export als Wachstumsmotor Deutschlands ab

Starke Binnennachfrage: Der Konsum löst den Export als Wachstumsmotor Deutschlands ab

Foto: ddp

Halle - In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland nach Ansicht der führenden Wirtschaftsinstitute voraussichtlich um 2,8 Prozent steigen. Im Herbst 2010 hatten die Wirtschaftsweisen ein Wachstum von 2,0 Prozent prognostiziert. Für 2012 erwarten die Experten einen Anstieg um 2 Prozent.

Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr bislang mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent, nachdem im vergangenen Jahr mit 3,6 Prozent das höchste Plus seit der Wiedervereinigung erreicht worden war.

Der kräftige Aufschwung, in dem Deutschland sich derzeit befindet, werde sowohl von der Nachfrage aus dem Ausland als auch von der Binnenkonjunktur getragen, heißt es in dem Frühjahrsgutachten. Für das erste Quartal 2011 werde mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent gerechnet.

Die Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass die Expansion in den kommenden Monaten kräftig bleiben wird. Dafür spricht, dass die Unternehmen die wirtschaftliche Lage derzeit so günstig einschätzen wie zuletzt zur Zeit der Wiedervereinigung, die Auftragseingänge in der Industrie kräftig anzogen, die internationale Konjunktur weiter aufwärts gerichtet ist und die Zinsen weiter vergleichsweise niedrig bleiben dürften.

Beschäftigung und Löhne steigen weiter

Zudem glauben die Experten, dass auch die Beschäftigung und damit die Löhne weiter ansteigen werden, wodurch die Binnennachfrage zunehmend den Export als Wachstumsmotor Deutschlands ablösen wird. Für 2011 erwarten die Institute 430.000 Erwerbstätige mehr als im Vorjahr, im kommenden Jahr schwächt sich die Zunahme dann ein wenig ab. Die Arbeitslosenquote werde von 6,9 Prozent in 2011 auf 6,5 Prozent in 2012 sinken.

Die positive wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch in der Lage der öffentlichen Haushalte wider. Die führenden Wirtschaftsinstitute gehen davon aus, dass sich das Staatsdefizit im kommenden Jahr auf 23,5 Milliarden Euro halbiert und damit nur noch bei 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt.

Die Inflation ist zwar aufgrund des kräftigen Aufschwungs und der Verteuerung der Rohstoffe auf hohem Niveau, wird aber nach Meinung der Experten im kommenden Jahr von 2,4 auf 2,0 Prozent sinken. Damit würde die Schwelle der Europäischen Zentralbank, bis zu der die Bank von Preisstabilität spricht, wieder erreicht werden.

Forscher sehen Risiken im Ausland

Risiken für die hiesige Konjunktur sehen die Forscher daher vor allem außerhalb Deutschlands. Eine weitere spürbare Verteuerung der Rohstoffe aufgrund der Situation in den ölreichen Staaten würde die Expansion international und national deutlich dämpfen, heißt es. Auch eine Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise dürfte die deutsche Wirtschaft belasten. Der Bundesregierung empfehlen die Institute deshalb, auf Nachbesserungen beim Europäischen Stabilisierungsmechanismus hinzuwirken.

Die Katastrophe in Japan werde sich nur kurzfristig auf die Weltkonjunktur auswirken. "Erfahrungsgemäß sind die makroökonomischen Auswirkungen von Naturkatastrophen in Industrieländern nicht gravierend", heißt es in dem Gutachten.

Die letzte Schätzung der Institute stammt vom Oktober 2010. Daran beteiligt sind das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel und das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung München. Sie kooperieren mit Forschern in Zürich, Mannheim und Wien.

mg

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