Wegen Inflation Zähe Erholung der britischen Wirtschaft

Das Wirtschaftswachstum in Großbritannien bleibt schwach. Nach Einschätzung der britischen Regierung werden sich die Unternehmen des Landes sogar deutlich langsamer von der Krise erholen, als noch im Vorjahr erwartet. Die hohe Inflation in Großbritannien bremst. Jetzt sollen Steuersenkungen helfen.
Keine gute Zeit für Großbritanniens Wirtschaft: Erholung ohne rechten Schwung

Keine gute Zeit für Großbritanniens Wirtschaft: Erholung ohne rechten Schwung

Foto: REUTERS

London - Großbritanniens Wirtschaft entwickelt sich in diesem Jahr eher träge. Das jedenfalls fürchtet offenbar die britische Regierung selbst. Das Wirtschaftswachstum werde in diesem Jahr auf der Insel wohl eher bei 1,7 Prozent liegen und nicht wie noch im November erwartet bei 2,1 Prozent. Das sagte Finanzminister George Osborne am Mittwoch in London im Parlament. 2012 sollen es dann 2,5 Prozent sein.

Belastet wird die Wirtschaft von der hohen Inflation. Die Teuerungsrate dürfte in diesem Jahr zwischen 4 und 5 Prozent verharren, sagte Osborne. Die Portemonnaies der Verbraucher werden vor allem von steigenden Energiepreisen belastet.

Um für ein wenig Erleichterung zu sorgen, kündigte Osborne überraschend die sofortige Absenkung der Benzinsteuer um einen Penny pro Liter an. Zur Ankurbelung seines stotternden Wachstumsmotors sollen zudem die Unternehmenssteuern kräftig zusammengestutz werden. Der Steuersatz soll von April an um zwei Punkte statt wie bisher geplant um einen Punkt auf 27 Prozent sinken - und bis 2014 auf 23 Prozent. Das kündigte Schatzkanzler George Osborne am Mittwoch bei der Vorstellung des Haushalts 2011 an.

Damit läge die Steuerlast für britische Unternehmen um rund sieben Punkte unter der durchschnittlichen Unternehmensbesteuerung in Deutschland. Die Steuerbelastung ist in Europa höchst umstritten. Unter anderem hatten mehrere Länder versucht, Irland zur Erhöhung seiner mit 12,5 Prozent konkurrenzlos niedrigen Körperschaftssteuer zu bewegen.

Investoren dringend gesucht

Die Unternehmenssteuer gilt als wichtiger Standortfaktor in der Ansiedelungspolitik. "Großbritannien ist offen für die Wirtschaft", sagte Osborne "jeder, von Hongkong bis Shanghai", solle das hören.

Einzig Banken und Minerölkonzerne sollen durch ergänzende Maßnahmen nach einem Bericht der BBC nicht in vollem Maße in den Genuss dieser Erleichterungen kommen. So sollen die Produzenten von Öl und Gas sogar stärker zur Kasse gebeten, was rund zwei Milliarden Pfund in die Staatskasse spülen soll.

Auf das Geld ist die Regierung dringend angewiesen, weil die Schwäche der heimischen Wirtschaft den Schuldenabbau erschwert. In den kommenden vier Jahren sollen rund 81 Milliarden Pfund eingespart werden. Die Kreditaufnahme werde in diesem Zeitraum nicht so stark zurückgehen wie angestrebt, räumte Osborne ein. Der größte Teil des Haushaltsdefizits werde aber bis 2015 abgebaut sein.

Im laufenden Jahr werde die britische Regierung etwas weniger Geld am Markt aufnehmen als bisher mit 146 Milliarden Pfund angenommen, sagte Osborne. Bis 2013/2014 werde die Kreditaufnahme auf 70 Milliarden Pfund gedrosselt werden.

kst/
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