Griechenland Wirtschaftsweiser rät zum Schuldenschnitt

Ohne Umschuldung kann sich Griechenland vermutlich kaum aus seiner aktuellen Situation befreien, sagt der Wirtschaftsweise Lars Feld. Erst im März ist er für Wolfgang Wiegard in den Sachverständigenrat gefolgt. Die Umschuldung, so der Ökonom weiter, solle am besten noch in diesem Jahr erfolgen.
Baufällig: Griechenland sollte zum Schuldenschnitt greifen - sagt der Wirtschaftsweise Lars Feld

Baufällig: Griechenland sollte zum Schuldenschnitt greifen - sagt der Wirtschaftsweise Lars Feld

Foto: ORESTIS PANAGIOTOU/ dpa

Berlin - Das klamme Griechenland sollte nach Ansicht des neuen Wirtschaftsweisen Lars Feld zügig einen Schuldenschnitt wagen. "In der Situation, in der sich Griechenland momentan befindet, ist kaum davon auszugehen, dass es das Land ohne Umschuldung schaffen wird", sagte der Freiburger Ökonom am Freitag Reuters Insider TV. Wenn man Interesse an einer Beteiligung der privaten Gläubiger habe, müsse man schnell handeln und eine Umschuldung noch in diesem Jahr oder in der ersten Jahreshälfte 2012 vornehmen.

Der Euro-Gipfelbeschluss habe den Griechen eine Atempause verschafft, das Zinsniveau gesenkt und eine Laufzeitverlängerung der Kredite vorgenommen. "Das wird den Griechen etwas mehr Zeit bringen. Ich bin trotzdem der Meinung, dass bereits jetzt mehr getan werden muss, um die privaten Gläubiger einzubinden", forderte Feld.

Die Zeit dränge, denn 2013 werde bereits ein großer Teil der griechischen Anleihen bei der EZB oder anderen staatlichen Gläubigern liegen, sagte Feld. Das Euro-Land werde es in den nächsten Jahren nicht schaffen, seine an der Wirtschaftsleistung gemessene Schuldenlast - die sogenannte Schuldenstandsquote - zu verringern. "Das wird bei einem relativ optimistischen Szenario erst 2016 der Fall sein. Dann befindet sich Griechenland bei einer Schuldenstandsquote von über 160 Prozent", sagte der Ökonom. Er sitzt seit diesem Monat im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der die Bundesregierung berät.

Das klamme Griechenland wird durch den verordneten Sparkurs nach Ansicht Felds vor große soziale Probleme gestellt. Er rechnet vor, dass das Ägäis-Land schon in fünf Jahren acht bis neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr an Schuldendienst zahlen muss. Der Großteil des Betrags fließe ins Ausland. Zugleich müssten Gehaltssteigerungen niedrig gehalten werden und Personal im Öffentlichen Dienst abgebaut werden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ohne politische Konflikte in Griechenland abgeht. Es wird also sehr schwierig werden."

go/reuters
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