Nach dem Japan-Beben Deutsches Konjunkturbarometer sinkt

Das schwere Erdbeben und die atomare Katastrophe in Japan zeigen erste Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsförderung in Mannheim verzeichnete bei seiner monatlichen Konjunkturumfrage ein überraschendes Minus.
Schnittstelle Außenhandel: Beeinträchtigen die Ereignisse in Japan den deutschen Aufschwung?

Schnittstelle Außenhandel: Beeinträchtigen die Ereignisse in Japan den deutschen Aufschwung?

Foto: dapd

Mannheim - Nach dem Erdbeben in Japan haben sich nach Ansicht von Finanzmarktexperten die Konjunkturerwartungen für Deutschland leicht eingetrübt. Im März fiel der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) berechnete Index zur Konjunkturerwartung 1,6 Punkte auf 14,1 Zähler, wie das ZEW am Dienstag mitteilte. Die deutsche Wirtschaft befinde sich in einer "robusten Verfassung", doch die Ereignisse in Japan könnten "zumindest kurzfristig eine Eintrübung der Konjunkturdynamik in Deutschland zur Folge haben", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Negativ auf die Konjunkturerwartungen wirkten sich laut ZEW neben dem Erdbeben in Japan auch die Andeutungen der Europäischen Zentralbank (EZB) aus, den Leitzins möglicherweise früher als erwartet anzuheben. Die vor der EZB-Ankündigung und dem Erdbeben eingegangen Einschätzungen der Experten zur Konjunkturentwicklung waren demnach deutlich optimistischer als im Vormonat. Nach der EZB-Sitzung verschlechterten sich die Einschätzungen, nach dem Erdbeben in Japan am Freitag gingen sie noch weiter zurück.

Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage blieb praktisch unverändert. Der entsprechende Indikator stieg um 0,2 Punkte auf 85,4 Punkte. Der ZEW-Index ist ein monatlicher Stimmungstest zur deutschen Wirtschaft. Das Institut befragt regelmäßig Analysten und institutionelle Anleger, wie sie die aktuelle Lage und die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten bewerten.

"Bei der ZEW-Lageeinschätzung gab es eher eine Seitwärtsbewegung", sagte Analyst Christian Melzer von der Dekabank in einer ersten Reaktion. "Der Rückgang der Erwartungen war sicher getrieben durch eine Reihe von negativen Faktoren: die EZB-Ankündigung, die Zinsen zu erhöhen, höhere Inflationsraten, steigende Rohstoffpreise und die Unruhen in Nordafrika." Die Nachrichten aus Japan könnten den ZEW-Index im nächsten Monat beeinflussen, so Melzer. "Der Tsunami und das Erdbeben wären noch beherrschbar, aber die nukleare Gefahr verändert die Lage völlig", sagt er. "Die Finanzmärkte reagieren ja jetzt schon heftig."

cr/dpa/rtr/afp