Mittwoch, 21. August 2019

Gefährlicher Preisschub Ölpreis gefährdet EU-Schuldenländer

EZB-Chef Jean-Claude Trichet: Steigende Inflationsrisiken erfordern höhere Zinsen - doch das brächte viele EU-Schuldenstaaten in große Schwierigkeiten

Der steigende Ölpreis droht die Euro-Krise deutlich zu verschärfen. Irland, Portugal, Griechenland und Spanien brauchen Wachstum, um sich zu entschulden. Was sie nicht gebrauchen können, sind höhere Zinsen. Doch genau darüber denkt die EZB angesichts steigender Inflationsrisiken nach. 

Hamburg - Die Griechen, Iren, Portugiesen und Spanier haben es in diesen Tagen schwer. Sie müssen sparen, um nicht Pleite zu gehen. Und sie müssen wachsen, um dabei nicht zusammenzubrechen. Die Rahmenbedingungen, welche die EU-Kommission den Sanierungsprogrammen zugrunde legt, fügen sich nahtlos in dieses Szenario.

Zwar rechnet die Kommission zum Beispiel für Griechenland im Jahr 2011 noch mit dem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung des südeuropäischen Staats, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, um 3 Prozent. Doch danach soll es bereits wieder aufwärts gehen - um 1,1 Prozent im Jahr 2012, um je 2,1 Prozent in den Jahren 2013 und 2014.

Für Irland ist die EU-Kommission noch optimistischer. Nach einer Wachstumsminderung um 0,2 Prozent im vergangenen Jahr, soll das irische BIP ab 2011 zunächst um 0,9 Prozent wachsen, in den Jahren 2012 und 2013 um 1,9 und 2,5 Prozent. 2014 und 2015 soll es sich dann bei 3 Prozent einpendeln.

Theorie und Praxis der Sanierungspläne passen nicht zusammen

Soviel zur Theorie. In der Realität könnte der Ölpreisanstieg diese Zahlenspiele allerdings kassieren - vor allem dann, wenn die Krisen in Nordafrika und dem Nahen Osten andauern. Denn der aktuelle Preis von rund 112 Dollar für ein Fass Brent-Öl liegt erheblich höher als jener, der den Entschuldungsplänen zugrunde liegt.

"Selbst, wenn der Ölpreis sich im Gesamtjahr um die 100 Dollar einpendeln würde, wäre das im Vergleich zu 2010 ein Anstieg um gut 25 Prozent", sagt Silke Tober, Ökonomin am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. "Man kann also davon ausgehen, dass die aktuelle Inflationsrate und die der kommenden Wochen über der liegen, mit der geplant wurde."

Sollte der Preisanstieg des Öls bestand haben, hätte dies nach Ansicht Tobers auch Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. Ein zehnprozentiger Anstieg des Ölpreises koste, je nach zugrunde gelegter Studie zwischen 0,1 bis 0,4 Prozentpunkte an BIP-Wachstum. "In der Regel sind es um die 0,2 Prozentpunkte", sagt die Ökonomin.

Eine Einschätzung, die auch Christian Dreger, Konjunkturexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), teilt. In wie weit sich der Ölpreis auf Konjunktur und Inflation auswirke, hänge allerdings auch davon ab, wie nachhaltig der Ölpreisanstieg sei. "Der Golfkrieg von 1990 hat sich beispielsweise kaum auf die weltweite Konjunktur ausgewirkt", sagt er. Vor dem Golfkrieg lag der Preis für Brent-Öl im zweiten Quartal 1990 bei rund 17 Dollar pro Fass, um dann krisenbedingt im dritten Quartal auf 26 Dollar und im vierten Quartal auf 32 Dollar zu steigen. Im ersten Quartal 1991 lag er dann wieder bei 21 Dollar.

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