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Mythos Maschinenbau: Warum die Branche in Deutschland so stark ist

Foto: Joerg Sarbach/ AP

Wirtschaftsforscher Aufschwung heizt Industrie an

Die Auftragsbücher in der deutschen Industrie sind voll, die Unternehmen sind so gut ausgelastet wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Klar, dass auch das DIW-Konjunkturbarometer nach oben zeigt. Nur ein kleiner Wermutstropfen bleibt.

Berlin - Das wirtschaftliche Umfeld in Deutschland bleibt nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auch im neuen Jahr günstig. Das DIW-Konjunkturbarometer zeige für das erste Quartal 2011 eine Produktionssteigerung von 0,6 Prozent an, teilte das Institut am Mittwoch mit. Diese Erwartung werde durch die gute Auftragslage in der Industrie gestützt.

Das DIW sprach von vollen Auftragsbüchern. Dabei spiele das nichteuropäische Ausland eine tragende Rolle. Trotzdem sei 2011 mit einem geringeren Wachstum als 2010 zu rechnen. Nach den massiven Einbrüchen während der Krise trugen laut DIW im letzten Jahr Aufholeffekte einen großen Teil zum Wachstum bei.

Der strenge Winter habe zum Ende des vergangenen Jahres das Wirtschaftswachstum leicht gedämpft. Im Jahresdurchschnitt 2010 dürfte die Wirtschaft dennoch um 3,6 Prozent gewachsen sein. Dies sei eine "blendende Bilanz im internationalen Vergleich".

Industrielle Unternehmen sind zu knapp 85 Prozent ausgelastet

Das Münchener Ifo-Institut hat berechnet, dass die deutsche Industrie so gut ausgelastet ist wie seit rund zweieinhalb Jahren nicht mehr. Das Rekordniveau aus der Zeit vor der Krise habe sie allerdings noch nicht erreicht. "Wir sind im Boom, aber - zumindest im Verarbeitenden Gewerbe - noch nicht auf dem Höhepunkt des Booms angekommen", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. "Da ist noch Luft nach oben."

Die Unternehmen haben ihre Maschinen und Geräte derzeit zu 84,7 Prozent ausgelastet. Dies liegt etwas über dem langjährigen Durchschnitt von gut 83 Prozent und fast zehn Prozentpunkte über dem Wert vor einem Jahr. Der Rekordwert vom Frühjahr 2007 mit gut 88 Prozent liegt aber noch in weiter Ferne.

Die exportlastige deutsche Industrie war großer Verlierer der weltweiten Rezession 2009, setzte sich dann aber an die Spitze der konjunkturellen Aufholjagd und verhalf der heimischen Wirtschaft 2010 zum stärksten Wachstum seit rund 20 Jahren.

"Die Industrie war am stärksten betroffen, hat schon einen langen Weg zurückgelegt, aber noch einiges vor sich", betonte Carstensen. Die positive Entwicklung werde sich fortsetzen, aber in etwas langsamerem Tempo.

Hersteller von Investitionsgüter profitieren am meisten

Besonders rund läuft es nach Ifo-Angaben bei den Herstellern von Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen. "Die nochmals gestiegene Nachfrage führte wie in den Vormonaten zu Lieferengpässen." Deshalb fuhren die Firmen ihre Produktion hoch, die Kapazitätsauslastung stieg zum Oktober 2010 um 3,1 Prozentpunkte auf 87,6 Prozent. Die Unternehmen bezeichneten ihre Aussichten weiter als hervorragend und rechnen vor allem im Exportgeschäft mit deutlichen Zuwächsen.

In der Chemieindustrie verbesserte sich die ohnehin sehr gute Situation noch einmal kräftig. Der Auslastungsgrad der Maschinen und Anlagen kletterte auf 86,3 Prozent. Die Firmen seien sehr optimistisch und wollten verstärkt Personal einstellen, hieß es.

Auch bei den Maschinenbauern geht es weiter bergauf. Wegen der seit rund einem Jahr stetig steigenden Produktion sei die Kapazitätsauslastung binnen Jahresfrist von 73 auf 87,3 Prozent gestiegen. Im Fahrzeugbau brummt es ebenfalls wieder. Im Papier-, Verlags- und Druckgewerbe hingegen trübte sich die Stimmung etwas ein und die Kapazitätsauslastung sank spürbar.

mg/dpa-afx/rtr
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