XXL-Optimismus Deutschland lebt im Aufschwung-Jubel

Nach bleiernen Jahren wirkt der aktuelle Aufschwung wie eine Befreiung. Nochmals besser schätzen die Unternehmen hierzulande ihre wirtschaftliche Lage ein, nochmals rechnen sie insbesondere mit noch Besserem in den nächsten Monaten. Und die professionellen Beobachter unserer Wirtschaft sind sprachlos.
Derzeit fast selbstverliebt: Ungewöhnlich ausgeprägter Optimismus der deutschen Wirtschaft

Derzeit fast selbstverliebt: Ungewöhnlich ausgeprägter Optimismus der deutschen Wirtschaft

Foto: Land der Ideen / Foto: Peter Lindbergh

Hamburg - Kann die Hochstimmung im Moment etwas trüben? Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Januar auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer legte auf 110,3 von 109,8 Punkten zu.

Viele Experten hatten dagegen wie schon in den Vormonaten mit einer leichten Eintrübung gerechnet, aber wieder falsch gelegen. "Die deutsche Wirtschaft startet schwungvoll in das neue Jahr", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

Die deutsche Industrie ist nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts der Garant des deutschen Aufschwungs. "Sie hat einen deutlichen Satz nach oben gemacht und ist jetzt ganz aus der Krise heraus", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. "Ihre Kapazitäten sind überdurchschnittlich ausgelastet, sie möchte wieder mehr Personal einstellen und sieht im Auslandsgeschäft noch bessere Chancen."

Es ist unglaublich. Der dritte Rekord in Folge. Man fragt sich, wo das Ganze enden soll, zumal auch die Erwartungen der Unternehmer nochmals gestiegen sind. Insbesondere die überdurchschnittliche Kapazitätsauslastung der Industrie ist eine positive Nachricht. Wir waren noch nie so nahe an einem selbsttragenden Aufschwung wie derzeit", kommentierte Deka-Experte Andreas Scheuerle die hiesige Wirtschaftslage und Stimmung.

"Wir können beobachten, dass sich die deutschen und die französischen Unternehmen mittlerweile gegenseitig befeuern. Wir haben innerhalb Europas nun nicht mehr allein die deutsche Wachstumslokomotive, sondern auch Frankreich zieht sehr stark mit. Das sind sehr gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft", sagt Unicredit-Experte Andreas Rees.

Gefahr droht der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung des Ifo-Instituts von hohen Ölpreisen. "Das Risiko ist nicht zu vernachlässigen", sagte Abberger. "Von einer breiten Inflation kann aber keine Rede sein." Bislang sei nur in einigen Teilbereichen eine spürbarer Preisanstieg zu beobachten, vor allem bei Energie und Rohstoffen.

Nicht mehr ganz so gut wie in der Weihnachtszeit liefen die Geschäfte für den Handel. "Im Dezember haben wir eine ungeheuer gute Geschäftssituation gesehen, dem folgt jetzt eine Normalisierung", sagte Abberger. Im Bau sei es dagegen wieder bergauf gegangen, obwohl wegen des harten Winters wochenlang an vielen Baustellen nicht gearbeitet werden konnte. "Die Bauunternehmen sammeln wieder Aufträge ein und blicken optimistisch nach vorn", sagte Abberger.

kst/rtr/dpa-afx/apd
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