Mehr Jobs Deutschland im Dienstleistungsboom

Die deutsche Dienstleistungswirtschaft ist im Dezember auf kräftigem Wachstumskurs geblieben. Die Neuaufträge legten nach einer Umfrage kräftig zu, und die Firmen haben ihre Belegschaften aufgestockt. Ein krasser Gegensatz zur Entwicklung in manch anderen europäischen Staaten.
Dienstleisterbranche: Hohe Aufträge in Frankreich und Deutschland

Dienstleisterbranche: Hohe Aufträge in Frankreich und Deutschland

Foto: Corbis

Hamburg - Die Dienstleister in den Euro-Ländern gehen mit unterschiedlichem Schwung ins neue Jahr. Während Deutschland und Frankreich als Zugpferde vorgaloppieren, hinken vor allem Spanien und Irland der Entwicklung hinterher. Der Aufschwung setze sich fort, bleibe aber unausgeglichen, teilten die Markit-Experten am Mittwoch zu ihrer Umfrage unter etwa 2000 Firmen mit. "Die Schieflage innerhalb der Euro-Zone wird immer eklatanter", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Der Einkaufsmanagerindex sank im Dezember europaweit um 1,2 auf 54,2 Punkte. Das Ergebnis fiel damit etwas besser aus als in einer ersten Schätzung mit 53,7 Zählern angegeben. Damit bleibt der Indikator komfortabel in einem Bereich, der auf Wachstum in dem Sektor hinweist, wie Postbank-Analystin Fabienne Riefer sagte.

In Deutschland verharrte der Einkaufsmanagerindex auf dem hohen Niveau von 59,2 Punkten. Damit steigerten die Firmen ihre Geschäftstätigkeit so stark wie zuvor schon im November. Die Neuaufträge legten kräftig zu, die Bücher füllten sich und die Firmen stockten ihre Belegschaften auf. "Unseren Daten zufolge hielt sich der Jobaufbau auf rekordverdächtigem Niveau", fasste Markit-Ökonom Tim Moore die Entwicklung zusammen.

Sorge bereiten nach Angaben der Forscher aber die immer größer werdenden Unterschiede zwischen den Euroländern: "Während Deutschland annäherndes Rekordwachstum und Frankreich robuste Zuwächse verbuchten, brach die Wachstumsrate Italiens ein und verzeichnet nurmehr annähernde Stagnation. Spanien und Irland schlitterten indes immer tiefer in die Rezession ab." In Spanien schrumpfte die Wirtschaft den vierten Monat in Folge. Der Dienstleistungssektor steht für 60 Prozent der Wirtschaftsleistung - der Einkaufsmanagerindex gab im Dezember im Vergleich zum November 2,1 Punkte auf 46,2 Zähler nach. Die Verbraucher blieben vor allem Einkaufszentren und Restaurants fern.

Wie in Irland und Italien leidet die spanische Wirtschaft unter den strikten Sparkursen der Regierungen und der politischen sowie wirtschaftlichen Unsicherheit. "In Deutschland und Frankreich beflügelt der Industrie-geführte Aufschwung hingegen zusehends die Ausgabenfreude der privaten Haushalte, was den Aufschwung zusätzlich stützten dürfte", sagte Williamson. "So wie es derzeit aussieht, dürfte sich die Kluft innerhalb der Eurozone nicht so bald verkleinern." Laut Fabienne Riefer von der Postbank bekräftigen die Dezember-Daten, dass Deutschland vorerst das Zugpferd der Erholung im Euro-Raum bleibt.

kst/rtr

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