Freitag, 19. Juli 2019

Kuriose Prognosen Boom im Zeichen des Minirocks

Kuriose Indikatoren: Was Mode über die Konjunktur verrät
REUTERS

Schmale Krawatten, kurze Röcke, starke Wirtschaft - so einfach kann eine Konjunkturvorhersage sein. Auch manche skurrilen Theorien über den Zusammenhang von Mode und Konjunktur enthalten einen wahren Kern. Und eine gute Botschaft für die Aussichten im kommenden Jahr.

Hamburg - Prognosen der wirtschaftlichen Entwicklung haben einen schlechten Ruf. Zu oft müssen sie der Realität angepasst werden, manchmal sogar mit wechselnden Vorzeichen. "Die akademischen Kaffeesatzleser befragen die Glaskugelbesitzer", lästerte der Kabarettist Volker Pispers einmal über den Ifo-Geschäftsklimaindex, für den das Ifo-Institut regelmäßig die Einschätzung von Unternehmern über ihre Geschäftsaussichten erforscht.

Zwar gibt es auch "harte" Indikatoren wie Auftragseingänge oder Einkaufsmanagerindizes, die können aber nur die sehr nahe Zukunft erfassen. Tatsächlich spielen Stimmungen und Erwartungen, so labil sie auch sein mögen, eine große Rolle für die Entscheidungen von Unternehmen und Verbrauchern über künftige Investitionen oder Konsum.

Der Blick in die Zukunft ist ein menschliches und wirtschaftliches Bedürfnis. Wenn schon die amtlichen Prognosen nicht 100-prozentig verlässlich sind, warum nicht auf alternative Indikatoren zurückgreifen, die vielleicht etwas abseitig sind, dafür aber umso anschaulicher?

Selbst renommierte Ökonomen greifen auf Alltagsbeobachtungen zurück, um ihre Sicht der wirtschaftlichen Weltlage zu untermauern. Der langjährige US-Notenbankchef Alan Greenspan brachte in seinem Buch "Zeitalter der Turbulenzen" eine Theorie unter, der zufolge Männer seltener neue Unterwäsche kaufen, wenn sie schwierige Zeiten kommen sehen. Von allen notwendigen Konsumgütern würde daran am ehesten gespart.

Mit der Stimmung heben sich die Rocksäume

Genau umgekehrt verhält es sich mit dem "Lippenstiftindikator", den Kosmetikmogul Leonard Lauder nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vorbrachte: Der Absatz von Lippenstiften steige, wenn Frauen einen Stimmungsaufheller brauchten. Das sei kleiner Luxus, den sie sich auf jeden Fall leisten könnten.

Berühmt ist die "Rocksaumtheorie", schon 1926 vorgetragen vom US-Ökonomen George Taylor. Sie ist einprägsam, weil bildlich stimmig: Steigt die Zuversicht, steigen auch die Rocksäume der Frauen und dann die Wirtschaftsleistung. Geht es mit der Wirtschaft dagegen abwärts, sieht man das schon an längeren Kleidern. Diese Regel wird zwar von vielen Modefachleuten abgelehnt, weil ihnen die Vorstellung widerstrebt, äußere Faktoren überlagerten die freie Kreativität der Modemacher, inzwischen aber mehrfach empirisch belegt.

"Über viele Jahrzehnte hinweg lässt sich beobachten, dass der Rocksaum sich immer dann nach oben bewegt, wenn die Menschen ein euphorisches Gefühl von Wirtschaftswachstum und Prosperität haben", hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Allensbach herausgefunden. "Jede Rezession ließ auch die Röcke und Kleider länger werden." Bei schlechter Wirtschaftslage werde "die Mode verhaltener, ernster - wenn man will: seriöser".

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