Freitag, 19. Juli 2019

Bankensektor China will Kreditvergabe bremsen

Chinesischer Arbeiter: Bei Wachstumsraten von rund 10 Prozent will die Führung bremsen

China zieht im Bankensektor noch einmal die Zügel an. Die Mindestreserve-Anforderungen für sechs Großbanken würden vorübergehend verschärft, verlautete am Montag aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen.

Peking - Mit dem Schritt wolle die Volksrepublik Barmittel aus der Wirtschaft abziehen und die Kreditvergabe dämpfen. Das Schwellenland wächst auch in diesem Jahr unverändert stark mit einer fast zweistelligen Prozentzahl.

Für die größten Kreditinstitute des Landes steige die Mindesteinlage um 0,5 Punkte auf 17,5 Prozent. Die Vorschrift soll demnach für zwei Monate gelten. Die Banken müssen nun mehr Geld bei der Zentralbank parken und können damit weniger Kredite vergeben. Dies wiederum dürfte die Investitionen dämpfen, weil dem Bankensystem Milliarden entzogen werden.

Der Schritt kam überraschend. Von Reuters befragte Volkswirte hatten damit gerechnet, dass die Volksrepublik die Reserve-Anforderungen in den kommenden zwölf Monaten konstant hält. Analysten gehen davon aus, dass die chinesische Notenbank über steigende Kapitalzuflüsse im Zuge der Dollarschwäche besorgt ist. Auch dürfte die deutliche Zunahme der Kreditvergabe im September die Zentralbank zu der Maßnahme veranlasst haben, um die Inflation unter Kontrolle zu halten. Die Experten sehen in der Erhöhung der Reserve-Anforderungen keinen Wechsel in der Geldpolitik der Zentralbank.

Die chinesische Notenbank People's Bank of Chine wollte den Bericht nicht kommentieren. Zu den sechs betroffenen Großbanken zählten die Industrial und Commercial Bank of China, China Construction Bank, Bank of China, Agricultural Bank of China, China Merchants Bank und die China Minsheng Bank.

Im Kampf gegen Spekulation und eine Überhitzung des Häusermarktes prüft China zudem die Einführung einer Grundsteuer. Mit einer solchen Abgabe sei binnen Monaten zu rechnen, sagte der Präsident von Chinas Immobilien-Handelskammer, Nie Meisheng, am Montag. In einer Versuchsphase würden verschiedene Möglichkeiten zur Erhebung der Steuer getestet, zunächst vor allem in den großen Städten.

Experten gehen davon aus, dass die Maßnahmen die Immobilienpreise in Metropolen wie Shanghai, Guanzhou und Shenzen weiter fallen. Sie sind bis Ende August bereits um zehn Prozent gegenüber ihrem Höhepunkt im April zurückgegangen.

la/reuters

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