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An die Schmerzgrenze: Welche Branchen unter dem teuren Euro leiden

Foto: Fabian Bimmer/ AP

DIHK-Präsident Driftmann "Das Spiel mit Wechselkursen birgt Gefahren"

Wo liegt die Euro-Schmerzgrenze für Deutschlands Unternehmen? DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann spricht mit manager magazin über die Risiken für die deutsche Wirtschaft im internationalen "Währungskrieg", den fairen Wert des chinesischen Yuan und über die Vorteile, die auch China von einer Aufwertung hätte.  

mm: Herr Driftmann, wie nehmen Sie den angeblichen Währungskrieg auf den Finanzmärkten wahr?

Driftmann: Die aktuellen Versuche von Ländern, sich mit einer weichen Währung kurzfristige Vorteile zu verschaffen, darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Unser Wohlstand basiert auf offenen Märkten - und das gilt weltweit. Das Spiel mit den Wechselkursen birgt die Gefahr von Gegenreaktionen.

mm: Was befürchten Sie?

Driftmann: Zum Beispiel neue Handelshemmnisse. Am Ende stehen nur Verlierer da. Umso wichtiger ist die Koordination auf internationaler Ebene wie beim Weltwährungsfonds. Die beste Lösung für Volkswirtschaften mit schwachen Exporten bleibt ohnehin die Arbeit an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit.

mm: Fachleute halten den chinesischen Yuan für bis zu 40 Prozent unterbewertet, und viele deutsche Ausfuhren gehen nach Fernost. Wie groß sind Ihre Hoffnungen, dass Peking die Währung maßgeblich aufwerten wird?

Driftmann: Ein Teil seiner Exporterfolge verdankt China tatsächlich seiner Wechselkurspolitik. Bei einem flexiblen Wechselkurs wäre die chinesische Währung heute deutlich teurer - und dementsprechend Produkte "Made in China". Insofern ist China auch mitverantwortlich für die Ungleichgewichte im Welthandel. Eine Aufwertung des Yuan hätte aber auch einen großen Vorteil für China.

mm: Nämlich?

Driftmann: Importgüter würden dort günstiger, die höhere Kaufkraft würde die von der Regierung angestrebte Stärkung der Binnennachfrage unterstützen und der Lebensstandard würde sich weiter erhöhen. Mittelfristig führt kaum ein Weg an einer allmählichen Aufwertung des Yuan vorbei.

mm: Macht der steigende Euro den Unternehmen hierzulande Sorgen?

Driftmann: Der aktuelle Euro-Kurs ist für die meisten heimischen Exporteure noch verkraftbar. Sie bestehen auf Auslandsmärkten mit qualitativ hochwertigen Produkten, bei denen der Preis nicht immer das entscheidende Kriterium ist. Außerdem erinnere ich daran, dass wir uns vor einigen Monaten noch um die Euro-Schwäche und den Vertrauensverlust in unsere Währung gesorgt haben. Im Übrigen dämpft der stärkere Euro die - zum Teil erheblich - gestiegenen Rohstoffpreise.

mm: Sollte aus Ihrer Sicht die Politik oder die Europäische Zentralbank gegensteuern?

Driftmann: Die EZB hat bei ihrer Aufgabe, unabhängig von der Politik für stabile Preise zu sorgen, bislang ein gutes Gespür bewiesen und geholfen, die Wirtschaftsentwicklung zu stabilisieren. Deshalb sehe ich jetzt nicht die EZB am Zug. Vielmehr ist es jetzt Aufgabe der Politik, auf die Gefahren einer Instrumentalisierung von Wechselkursen hinzuweisen und den Tendenzen von Währungsmanipulationen entgegenzutreten - wie beim EU-China-Gipfel letzte Woche.

mm: Ab welchem Euro-Kurs würden Sie sagen, dass es für hiesige Firmen kritisch wird?

Driftmann: Die deutsche Exportwirtschaft hat zuletzt auch einen Euro-Kurs von mehr als 1,50 Dollar verkraftet. Allerdings nimmt dann der Druck auf Wettbewerbsfähigkeit und Margen schon bedenklich zu. Immer mehr Unternehmen versuchen sich gegen solche Entwicklungen abzusichern. Beispielsweise vereinbaren sie langfristige Konditionen, errichten Produktionsstätten im Ausland oder kaufen dort Unternehmensbeteiligungen.

mm: Welche Branchen wären bei solchen Euro-Kursen am ehesten belastet?

Driftmann: Überdurchschnittlich hängen exportorientierte Branchen wie Medizintechnik, Chemie und Pharma sowie Pkw- und Nutzfahrzeughersteller vom Wechselkurs ab. Aber auch das Auslandsgeschäfte mit langlebigen Gebrauchsgütern, etwa Schmuck, Möbeln oder Spielwaren, hängt stark vom Preis der Güter in der jeweiligen Landeswährung ab und unterliegt deshalb größeren Wechselkursrisiken.

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