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Die oberste Personalberaterin Jill Ader rät zu mehr Selbstreflexion Was moderne Chefs können müssen

Jill Ader, neue Chairwoman der Personalberatung Egon Zehnder, empfiehlt Topmanagern mehr Mut zur Nabelschau. Der unreflektierte CEO versage als Anführer, der rein kopfgesteuerte werde nicht überleben.
aus manager magazin 11/2018

Foto: Christof Mattes für manager magazin

Frau Ader, Sie sind eigens aus London zum Treffen der deutschsprachigen Berater angereist. Konnten Sie die Gemüter beruhigen?

Jill Ader: Das musste ich nicht. Die Stimmung ist bestens. Deutschland ist nach den USA unser zweitstärkster Markt.

Das klingt gut. Aber in der Führungsriege gab es zuletzt Aufruhr. Statt CEO Rajeev Vasudeva stehen Sie künftig global an der Spitze – eine Revolte?

Ab November werde ich Egon Zehnder weltweit als Chairwoman führen. Es handelt sich um das übliche Prozedere – mit einem kleinen Unterschied: Die Partner konnten bei der Wahl im Juni erstmalig zwischen zwei Kandidaten wählen.

Für Egon Zehnder ein Kulturschock. Bislang erhielt der CEO im Anschluss automatisch die Chairman-Rolle.

Wir leben in Zeiten schnellen Wandels und raten unseren Klienten, ihre Führungsstrukturen zu modernisieren. Für uns selbst kann nichts anderes gelten. Eine automatische Amtsnachfolge passt nicht zu einer modernen Unternehmensführung.

Sie haben es als erste Frau an die Spitze einer der fünf größten Personalberatungen der Welt geschafft ...

Ich arbeite bereits seit mehreren Jahren im Board und im Executive Committee. Und Frauen in Führung sind keine Seltenheit bei uns. 40 Prozent der Board-Mitglieder sind Frauen, und wir haben etliche weibliche Länder- oder Praxisgruppenchefs.

Sie stehen besonders für Leadership Advisory, das stärkste Wachstumsgeschäft Ihrer Firma. In Workshops empfiehlt Egon Zehnder den CEOs, auf die "Reise ihres Lebens" zu gehen und sich ihr "facettenreiches Selbst" zu vergegenwärtigen. Wollen die CEOs es neuerdings alle esoterisch?

Die Praxis der Konzernführung verändert sich vor dem Hintergrund von Globalisierung, Digitalisierung und steigender Komplexität gerade dramatisch. Es gibt keine Muster mehr. Rein kopfgesteuerte CEOs werden in dieser neuen Welt kaum überleben. Auch die auf Hierarchien fixierten Anführer bekommen Probleme. Das ist Steinzeitdenken. So schafft man weder Begeisterung noch Werte.

Wie dann?

In der neuen Weltordnung können entscheidende Signale von überall herkommen, von Mitarbeitern im Unternehmen, aber auch von außen. Um die Signale deuten zu können, braucht es Neugierde, Intuition, Sensibilität. Diese Eigenschaften kultiviert man normalerweise nicht in einer Führungslaufbahn.

Also Anzug weg, Pulli an – und dann zeigt sich ein anderer Mensch?

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