Wirecard-Skandal Jan Marsalek war offenbar V-Mann für Österreichs Geheimdienst

Die Hinweise auf Geheimdienstverbindungen von Jan Marsalek verdichten sich. Laut deutscher Justiz war der flüchtige Ex-Wirecard-Vorstand wohl Kontaktmann des österreichischen Verfassungsschutzes.
Gesucht: Jan Marsalek ist seit Juni untergetaucht

Gesucht: Jan Marsalek ist seit Juni untergetaucht

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Daniel Bockwoldt / dpa

Der frühere Wirecard-Vorstand Jan Marsalek (40) war möglicherweise V-Mann des österreichischen Nachrichtendienstes. Dem Generalbundesanwalt "liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass der österreichische Staatsangehörige Jan Marsalek von einem Mitarbeiter des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) als Vertrauensperson geführt wurde", heißt es in der Antwort des Bundesjustizministeriums in Berlin auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi (40, Die Linke). Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung"  (SZ).

In der Antwort, die auch der Deutschen Presseagentur vorliegt, ergänzt das Ministerium aber: "Bislang haben sich keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die im Raum stehenden Kontakte Jan Marsaleks zum BVT den Tatbestand einer gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichteten geheimdienstlichen Agententätigkeit oder eines sonstigen in die Verfolgungszuständigkeit des Generalbundesanwalts fallenden Straftatbestands erfüllen könnten."

Laut "SZ" wollte das österreichische Innenministerium, dem das BVT untersteht, "aus rechtlichen Gründen" keine Stellung nehmen. Einen V-Mann in einem Dax-Unternehmen zu platzieren, wäre ein Affront und könnte die deutsch-österreichischen Beziehungen belasten. Der Linken-Abgeordnete De Masi forderte in der "SZ": "Die Kanzlerin sollte schleunigst zum Telefon greifen und Sebastian Kurz fragen, was die Österreicher hier so treiben."

Der gebürtige Österreicher hat sich Mitte Juni abgesetzt, einige Tage, bevor der Zahlungsdienstleister Luftbuchungen über 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz zugeben musste. Seither ist Marsalek auf der Flucht vor den deutschen Behörden, während immer mehr seiner Illusions- und Finanztricks  und Verstrickungen ins Geheimdienstmilieu ans Licht kommen. So soll sich der Manager laut Medienberichten inzwischen in der Nähe von Moskau unter Obhut des russischen Geheimdienstes befinden. In Russland betrieb Wirecard ebenfalls eine Tochterfirma.

akn/dpa