Ende der Anleihekäufe ohne Termin Fed-Chef Jerome Powell zeigt Geduld mit der Inflation

Während die Preise in USA und Europa bereits deutlich anziehen, pumpen Fed und EZB monatlich hunderte Milliarden Dollar und Euro in den Markt. Fed-Chef Jerome Powell legt sich jedoch noch nicht fest, wann der Kurswechsel in der Geldpolitik beginnen soll.
Keine Eile: Fed-Chef Jerome Powell

Keine Eile: Fed-Chef Jerome Powell

Foto: POOL / REUTERS

US-Notenbankchef Jerome Powell (68) sieht die Fed auf gutem Weg zum angestrebten Ausstieg aus dem Krisenmodus nach der Coronavirus-Pandemie. Eine Festlegung auf einen Zeitplan zum Abbau der milliardenschweren Konjunkturhilfen vermied er am Freitag bei seinem virtuellen Redeauftritt auf der Fed-Konferenz von Jackson Hole jedoch. Powell betonte zwar, dass er im Juli einen Beginn des Abschmelzens der Wertpapierkäufe noch in diesem Jahr für angemessen gehalten habe. Mittlerweile habe auch der Arbeitsmarkt weitere Fortschritte gemacht. Doch gehe dies mit der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus einher. Die Inflation habe "sehr große Fortschritte" auf dem Weg zur von der Fed angestrebten Dynamik gemacht. Powell betonte jedoch, dass die aktuell höhere Preissteigerung von über 5 Prozent im Jahresvergleich nur vorübergehender Natur sei. "Wir werden die hereinkommenden Daten und die entstehenden Risiken sorgfältig prüfen", sagte Powell.

Ausdruck der verschärften Lage ist auch, dass die Jackson-Hole-Konferenz wie bereits 2020 Corona-bedingt nur im Onlineformat abgehalten wird. Angesichts der nach der Krise wieder rund laufenden Konjunktur denkt die Fed bereits seit einiger Zeit über ein Zurückfahren ihrer Anleihenkäufe nach.

Der Dollar gab nach Powells Rede nach, die US-Börsen reagierten mit leichtem Plus.

Die US-Notenbank kauft derzeit noch Wertpapiere im Volumen von monatlich 120 Milliarden Dollar. Mehrere Währungshüter dringen auf eine baldige Entscheidung zum Abschmelzen der Krisenhilfe, womit der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ("Tapering") eingeleitet würde. Viele Experten rechnen damit, dass die Reduzierung der Käufe um die Jahreswende beginnen könnte. Ein Beschluss der Währungshüter dazu wird für die nächsten Zinssitzungen erwartet - womöglich im September.

Die Entscheidung über den genauen Beginn des Manövers erwarten die meisten Börsianer erst für eine der kommenden Fed-Sitzungen. Der Chef der Fed-Bezirks Dallas, Robert Kaplan, dringt auf einen Beschluss im September. Viele Beobachter erwarten, dass die Käufe um das Jahresende herum verringert werden könnten - so auch Kapitalmarktexperte Jürgen Callies vom Vermögensverwalter Meag. Auf dem Fed-Symposium dürfte es seiner Ansicht nach nun eher eine Botschaft der Beruhigung für die Kapitalmärkte geben, die von der lockeren Linie der Fed profitierten.

Am Markt herrscht die Sorge, falls die Fed nicht bald mit dem Tapering beginne, könne sie den ohnehin kräftigen Preisauftrieb weiter befördern. Sie laufe dann auch Gefahr, eine Inflationsspirale in Gang zu setzen, die nur schwer wieder zu stoppen sein dürfte.

Südkoreas Notenbank prescht mit Zinserhöhung vor

Die Notenbank Südkoreas ist als erste große Zentralbank Asiens mit einer Erhöhung ihrer Leitzinsen bereits vorgeprescht. Wie die Notenbank am Donnerstag in Seoul nach ihrer regulären Zinssitzung bekannt gab, steigt der Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent. Es ist die erste Anhebung seit Beginn der Corona-Krise im Jahr 2020.

Laut Notenbankchef Lee Ju-yeol sollen die höheren Zinsen Übertreibungen an den Finanzmärkten verhindern. In Südkorea - das Land gehört zur G20-Gruppe der führenden Wirtschaftsnationen - sind neben den Aktienkursen unter anderem die Immobilienpreise stark gestiegen - eine Folge der extrem lockeren Geldpolitik mit ungewöhnlich niedrigen Zinsen. Daneben begründete Lee den strafferen Kurs mit der konjunkturellen Erholung und steigendem Inflationsdruck.

Für den Zinsausblick blieb der Zentralbankchef jedoch vorsichtig: Die Geldpolitik bleibe locker, wenngleich weitere moderate Zinsanhebungen möglich seien. Der geldpolitische Kurs hänge vom Fortgang der Pandemie und dem Vorgehen anderer großer Notenbanken ab.

ak, la/DPA, Reuters