Teuerung erreicht Rekordwert Inflation in der Eurozone klettert auf 9,1 Prozent

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im August erneut auf einen Rekordwert gestiegen. Ein großer Zinsschritt der EZB von 0,75 Prozentpunkten wird damit zunehmend wahrscheinlicher.
Europäische Zentralbank: Angesichts einer Inflation von mehr als 9 Prozent wird erwartet, dass die Notenbanker in der kommenden Woche den Leitzins um mindestens 0,5 Prozent anheben

Europäische Zentralbank: Angesichts einer Inflation von mehr als 9 Prozent wird erwartet, dass die Notenbanker in der kommenden Woche den Leitzins um mindestens 0,5 Prozent anheben

Foto: Daniel ROLAND / AFP

Die Inflation in der Eurozone hat sich im August auf hohem Niveau weiter beschleunigt und abermals einen Rekordwert erreicht. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhten sich die Verbraucherpreise in der Eurozone um 9,1 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg laut einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 9,0 Prozent gerechnet. Die August-Rate markiert die höchste Inflation seit Einführung des Euro als Buchgeld 1999. Im Vormonat waren die Verbraucherpreise um 8,9 Prozent gestiegen.

Getrieben wurde die Teuerung erneut durch den starken Anstieg der Energiepreise, die sich zum Vorjahresmonat um 38,3 Prozent erhöhten. Der Anstieg war allerdings ein wenig schwächer als im Vormonat. Dafür beschleunigte sich der Preisauftrieb bei Lebens- und Genussmitteln. Für Lebensmittel, Alkohol und Tabak mussten die Verbraucher einen Kostenanstieg von 10,6 Prozent verkraften, nach 9,8 Prozent im Juli. Industriegüter ohne Energie verteuerten sich um 5,0 Prozent, gegenüber 4,5 Prozent im Juli. Und auch bei Dienstleistungen nahm der Preisauftrieb zu – auf 3,8 von 3,7 Prozent im Juli.

Die Kerninflation, bei der besonders schwankungsanfällige Preise von Energie, Lebens- und Genussmitteln nicht berücksichtigt werden, stieg von 4,0 auf 4,3 Prozent. Die höchsten Inflationsraten im Währungsraum wiesen mit mehr als 20 Prozent erneut die drei baltischen Staaten auf. So stieg beispielsweise die Jahresinflationsrate in Estland auf 25,2 Prozent. In Deutschland betrug die nach europäischen Standards berechnete Inflationsrate 8,8 Prozent.

Großer Zinsschritt von 0,75 Punkten wird wahrscheinlicher

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt auf mittlere Sicht eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Sie hatte im Juli den Leitzins nach längerem Abwarten erstmals seit elf Jahren angehoben. Für den September wird ein weiterer Zinsschritt erwartet. Beobachter erwarten, dass die EZB wegen der hohen Inflation den Leitzins um mindestens 0,5 Prozent anheben wird, ein größerer Zinsschritt in Höhe von 0,75 Prozent erscheint zunehmend als wahrscheinlich.

Erst am Wochenende hatte sich mit Isabel Schnabel (51) ein bisher eher zurückhaltendes EZB-Ratsmitglied mit deutlichen Worten für einen entschiedenen Kampf gegen die Inflation ausgesprochen. Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel (56) macht sich für eine spürbare Zinsanhebung stark. Die Geldpolitik müsse entschlossen reagieren, um die Glaubwürdigkeit des Inflationsziels zu bewahren.

la/dpa
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