Preissteigerung Bundesbank erwartet eine Inflation von 7 Prozent

Die Bundesbank dampft ihre Wachstumserwartungen für Deutschland ein. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2022 nicht einmal halb so stark wachsen wie noch im Dezember angenommen. Zudem rechnet die Notenbank mit einer hohen Inflation.
Bundesbankchef Joachim Nagel: Weniger Wachstum, höhere Inflation

Bundesbankchef Joachim Nagel: Weniger Wachstum, höhere Inflation

Foto: Arne Dedert / picture alliance/dpa

Die Folgen des Ukraine-Krieges bremsen nach Einschätzung der Bundesbank das Wirtschaftswachstum in Deutschland und treiben die Inflation in die Höhe. Mit 1,9 Prozent Wachstum dürfte sich die wirtschaftliche Erholung nach dem Corona-Tief zwar fortsetzen, wie die Bundesbank am Freitag prognostizierte. Im Dezember war die Notenbank jedoch noch davon ausgegangen, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022 um 4,2 Prozent zulegen würde.

Auch für 2023 sind die Bundesbank-Ökonomen inzwischen deutlich weniger optimistisch und erwarten statt 3,2 Prozent Wirtschaftswachstum nur noch ein Plus von 2,4 Prozent. Etliche Institute haben ihre Konjunkturprognosen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gesenkt. Auch die Bundesbank-Experten betonen, dass die Unsicherheit über die künftige Wirtschaftsentwicklung vor allem wegen des russischen Angriffskriegs außergewöhnlich hoch sei.

Einerseits sei zu erwarten, dass die Preise für Energierohstoffe wieder etwas sinken werden und Lieferengpässe graduell nachlassen, erklärte die Bundesbank. Zugleich dürften die privaten Haushalte zumindest einen Teil ihrer in der Corona-Pandemie angehäuften Ersparnisse in Konsum ummünzen und so die Konjunktur ankurbeln. Andererseits jedoch führe "die außergewöhnlich hohe Teuerung zur Verunsicherung von Verbraucherinnen und Verbrauchern und schwäche deren Kaufkraft".

Inflation von 7,1 Prozent erwartet

Für das Gesamtjahr erwartet die Bundesbank inzwischen eine Teuerungsrate von 7,1 Prozent gemessen am sogenannten harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), den die Europäische Zentralbank (EZB) für ihre Geldpolitik heranzieht. Im Mai war die jährliche Inflationsrate in Deutschland vorläufigen Zahlen zufolge mit 7,9 Prozent auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren gesprungen.

"Die Verbraucherpreise werden in diesem Jahr noch stärker steigen als Anfang der 1980er-Jahre", erklärte Bundesbankpräsident Joachim Nagel (56). Der Preisdruck habe sich zuletzt sogar noch einmal verstärkt, was die jetzt vorgelegten Prognosen nicht vollständig abbildeten. "Wenn man diese Entwicklung fortschreibt, könnte die HVPI-Rate im Jahresdurchschnitt 2022 deutlich mehr als 7 Prozent betragen."

"Der Rückgang der Inflationsraten im Euroraum wird kein Selbstläufer sein", betonte Nagel. "Die Geldpolitik ist aufgerufen, die Teuerung durch konsequentes Handeln zurückzuführen." Am Donnerstag hatte die EZB beschlossen, ihre milliardenschweren Anleihenzukäufe zum 1. Juli zu beenden und bei ihrer nächsten Sitzung am 21. Juli erstmals seit elf Jahren die Leitzinsen im Euroraum wieder leicht anzuheben.

Ab dem kommenden Jahr dürfte die Inflationsrate in Deutschland nach Einschätzung der Bundesbank allmählich sinken. Die HVPI-Rate könnte auf 4,5 Prozent im Jahr 2023 und auf 2,6 Prozent im Jahr 2024 zurückgehen. Die EZB strebt für den Euroraum insgesamt mittelfristig stabile Preise bei einer Inflationsrate von 2,0 Prozent an.

la/dpa