EU-Sanktionen Importeure und deutsche Industrie stützen möglichen Kohle-Importstopp

Deutsche Kohlenimporteure halten einen vollständigen Verzicht auf russische Kohle für möglich. Auch die deutsche Industrie spricht sich für die geplanten EU-Sanktionen aus. Die EU-Staaten müssen noch über den Kohle-Importstopp abstimmen.
Möglicher Importstopp für russische Kohle: Ob die Sanktionen gegen Russland wie vorgeschlagen verhängt werden, müssen nun die 27 EU-Staaten entscheiden.

Möglicher Importstopp für russische Kohle: Ob die Sanktionen gegen Russland wie vorgeschlagen verhängt werden, müssen nun die 27 EU-Staaten entscheiden.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Die deutschen Kohlenimporteure sowie die Industrie unterstützen den Sanktionskurs der Bundesregierung und der Europäischen Union gegen Russland. Die Importeure halten bis zum Jahresende einen vollständigen Verzicht auf russische Kohle für möglich. "Die russische Steinkohle kann durch Kohle aus anderen Ländern wie USA, Südafrika, Australien, Kolumbien, Mosambik und Indonesien ersetzt werden", sagte Alexander Bethe, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Kohlenimporteure, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch). Der komplette Verzicht auf russische Kohle sollte demnach bis zum nächsten Winter möglich sein. Allerdings drohten höhere Preise.

Die EU-Kommission plant eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Unter anderem ist ein Importstopp für Kohle vorgesehen. Offen ist, ab wann er gelten soll. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte erklärt, bis zum Herbst könne Deutschland unabhängig von russischer Kohle sein. Ob die Sanktionen wie vorgeschlagen verhängt werden, müssen nun die 27 EU-Staaten entscheiden.

Gut funktionierender Weltmarkt für Steinkohle

Die Kohlenimporteure seien nicht unvorbereitet, sagte Bethe. Schon seit dem Herbst 2021 komme es bei russischer Kohle zu Lieferengpässen. "Seitdem suchen Handel und Verbraucher nach Alternativen." Es gebe einen gut funktionierenden Weltmarkt mit etwa einer Milliarde Tonnen Steinkohle. Deutschland habe im vergangenen Jahr rund 18 Millionen Tonnen Steinkohle aus Russland importiert. Ende März hatte sich bereits die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, mit Blick auf Alternativen zu Steinkohle aus Russland optimistisch gezeigt.

Auch die deutsche Industrie befürwortet die geplanten Sanktionen. "Die Gräueltaten in Butscha verlangen nach einer entschiedenen, unmissverständlichen Reaktion des Westens", sagte Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. "Ein vollständiges, europaweit abgestimmtes Embargo auf russische Kohle geht über die von den Unternehmen bereits umgesetzte Reduzierung russischer Kohlelieferungen noch einmal deutlich hinaus. Die Umsetzung ist nicht einfach und hat ihren Preis, aber die Entscheidung ist vor dem Hintergrund der Eskalation der Gewalt mehr als nachvollziehbar."

BDI-Chef lehnt Gas-Importstopp weiter ab

Mit Blick auf Russland sagte Russwurm, dass es zielgenaue und langfristig durchhaltbare Sanktionen brauche, die den Aggressor stärker träfen als die Europäer. "Für Kohle trifft das zu: Sie lässt sich auf dem Weltmarkt durch Lieferungen aus anderen Ländern ersetzen und prinzipiell mit der vorhandenen Transport-Infrastruktur zu den Nutzern bringen."

Völlig anders sei die Situation beim Gas, so Russwurm: "Ein Komplettausfall russischer Gaslieferungen, die andere Lieferanten nicht kurzfristig ersetzen können, wäre ein gewaltiger Stresstest für die EU – mit unabsehbaren Folgen für Versorgungssicherheit, Wachstum, Beschäftigung und unsere politische Handlungsfähigkeit." Auch die Bundesregierung lehnt ein Embargo russischer Gasimporte ab und warnt vor schweren Schäden für die Wirtschaft.

dri/dpa