Sarah Gilbert, Özlem Türeci, Kizzmekia Corbett Die drei Macherinnen der Corona-Impfstoffe

Ohne Sarah Gilbert, Özlem Türeci und Kizzmekia Corbett würde es die drei wichtigsten Impfstoffe im Kampf gegen Corona wohl nicht geben. Nun kommt die Ehrung für ihre Arbeit - und ein Appell an Firmen, das Potenzial weiblicher Führung zu nutzen.
"Wir verdanken ihnen viel": EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hebt die Arbeit der drei Wissenschaftlerinnen Sarah Gilbert, Özlem Türeci und Kizzmekia Corbett (von links) im Kampf gegen die Corona-Pandemie hervor.

"Wir verdanken ihnen viel": EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hebt die Arbeit der drei Wissenschaftlerinnen Sarah Gilbert, Özlem Türeci und Kizzmekia Corbett (von links) im Kampf gegen die Corona-Pandemie hervor.

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John Cairns/Univ. Of Oxford/DPA, Biontech, Bloomberg/Getty Images

In Wissenschaftskreisen dürfte ihr Name geläufig sein, einer größeren Öffentlichkeit noch nicht - nun aber wird Sarah Gilbert (58) höchste Ehre zuteil. Die federführende Entwicklerin des Astrazeneca-Impfstoffs gegen das Coronavirus bekommt für ihren Beitrag zum Allgemeinwohl die Albert-Medaille der Royal Society of Arts verliehen. Zuvor wurde die Auszeichnung historischen Größen wie Stephen Hawking, Marie Curie oder Winston Churchill zuteil.

"Die Albert-Medaille zelebriert die Innovativsten, und der Oxford-Impfstoff ist ein großer Triumph für britische Kreativität, Forschung und Entwicklung", sagte der Chef der Royal Society of Arts, Matthew Taylor (60), laut Mitteilung von Freitag. Die Uni Oxford und das Unternehmen Astrazeneca hatten den Impfstoff gemeinsam entwickelt.

Gilbert, die seit 1994 an der Universität Oxford forscht und das Entwicklungsteam hinter dem Oxford/Astrazeneca-Vakzin leitete, bezeichnete die Medaille als "große Ehre". Von Anfang an sei es ihr Ziel gewesen, einen "Impfstoff für die Welt" zu entwickeln - also einen, der kostengünstig und robust auch in ärmeren Ländern eingesetzt werden kann. Anders als der Impfstoff etwa von Biontech und Pfizer muss das Mittel von Astrazeneca nur bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

Özlem Türeci - medizinisches Mastermind bei Biontech

Auch die Biontech-Gründer werden für ihre Forschung geehrt: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird dem Ehepaar Özlem Türeci (53) und Uğur Şahin (55) am 19. März das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichen. Für das manager magazin hat eine unabhängige Jury aus Innovationsexperten die beiden Forscher in die Hall of Fame der deutschen Forschung berufen.

Türeci gilt als das medizinische Mastermind hinter dem Biontech-Impfstoff . Die Entwicklung des Serums wäre ohne die Leistung der Wissenschaftlerin, die ihre ganze Forschung den Antikörpertherapien widmet, nicht möglich gewesen.

Kizzmekia Corbett - Predigerin des Moderna-Vakzins

Ellenbogencheck mit dem Präsidenten: Die Forscherin Kizzmekia Corbett und US-Präsident Joe Biden begrüßen sich im Vaccine Research Center (VRC) des National Institute of Allergy and Infectious Diseases während eines Rundgangs mit Institutsdirektor Anthony Fauci (Mitte)

Ellenbogencheck mit dem Präsidenten: Die Forscherin Kizzmekia Corbett und US-Präsident Joe Biden begrüßen sich im Vaccine Research Center (VRC) des National Institute of Allergy and Infectious Diseases während eines Rundgangs mit Institutsdirektor Anthony Fauci (Mitte)

Foto: Bloomberg / Bloomberg via Getty Images

Last not least: Kizzmekia "Kizzy" Shanta Corbett (35). Die Immunologin half entscheidend bei der Entwicklung des US-Impfstoffes von Moderna mit. Sie wurde 2014 an das Vaccine Research Center (VRC) des National Institute of Allergy and Infectious Diseases des staatlichen Chefimmunologen Anthony Fauci (80) berufen.

Im VRC leitet die junge Afroamerikanerin das Coronavirus-Team, dessen Arbeit darauf abzielt, neuartige Coronavirus-Impfstoffe voranzutreiben. Die Zusammenarbeit zwischen Moderna und dem angegliederten National Institute of Health begann im Januar 2020.

Seit der Moderna-Impfstoff im vergangenen Dezember von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung erhalten hat, wirbt Corbett intensiv in der Öffentlichkeit dafür - vor allem in Gemeinden mit einem hohen Anteil an Menschen afroamerikanischer Herkunft. In den USA traf die Pandemie diese Bevölkerungsgruppen besonders hart.

Fauci sagte über die Kollegin im Dezember 2020 : "Kizzy ist eine Wissenschaftlerin, die an vorderster Front an der Entwicklung des Impfstoffs beteiligt ist." Ihre Arbeit werde "einen wesentlichen Einfluss auf die Beendigung der schlimmsten Atemwegserkrankungspandemie seit mehr als 100 Jahren haben".

Von der Leyen: "Wir verdanken ihnen viel"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (62) würdigte die Forscherinnnen Türeci, Gilbert und Corbett in einem Zug: "Doktor Özlem Türeci, Professor Sarah Gilbert, Doktor Kizzmekia Corbett - einige von Ihnen haben ihre Namen vielleicht noch nie gehört, aber wir verdanken ihnen viel", sagte von der Leyen am Donnerstag und forderte in diesem Kontext Unternehmen in Europa auf, mehr Frauen in Spitzenpositionen zu befördern.

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Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

Foto: MENAHEM KAHANA / AFP

Daten der Europäischen Kommission zeigten, dass weniger als 7 Prozent der CEOs von Topunternehmen Frauen sind. Zugleich deuteten jüngste Berichte darauf hin, dass die Covid-19-Pandemie erste Gleichstellungsgewinne am Arbeitsplatz wieder zunichte machen könnte.

"Ich werde nicht aufhören, auf Geschlechterquoten in Vorständen zu drängen, bis wir ein faires System für alle europäischen Länder haben", sagte von der Leyen vor dem Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter des Europäischen Parlaments. "Frauen sollten immer in der Lage sein, nach der Spitze zu greifen, auch in privaten Unternehmen", sagte sie.

Von der Leyen ist die erste Frau an der Spitze der EU-Kommission. Das höchste politische Organ der EU brachte am Donnerstag einen Gesetzentwurf für mehr Lohntransparenz auf den Weg , um so das anhaltende Lohngefälle zwischen den Geschlechtern zu verringern - gerade noch rechtzeitig zum Weltfrauentag am 8. März.

rei/dpa-afx, Reuters
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