Metall- und Elektroindustrie IG-Metall-Chef fordert mindestens 6 Prozent mehr Lohn

Angesichts der hohen Inflation fordert Jörg Hofmann eine kräftige Lohnerhöhung für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Zudem plädiert der IG-Metall-Chef für eine Übergewinnsteuer für Unternehmen.
IG-Metall-Chef Jörg Hofmann: Kräftiges Lohnplus sowie "Umverteilungskomponente" gefordert

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann: Kräftiges Lohnplus sowie "Umverteilungskomponente" gefordert

Foto: Franziska Kraufmann/ picture alliance / dpa

Der Chef der IG Metall, Jörg Hofmann (66), hat für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie mindestens 6 Prozent mehr Lohn und von der Regierung eine Übergewinnsteuer für Sonderprofite gefordert. "Wir brauchen eine kräftige Lohnerhöhung", sagte Hofmann der "Süddeutschen Zeitung". "Der Tarifabschluss muss zwei Jahre abdecken, 2022 und 2023. Laufen die Verhandlungen gut, haben wir im November ein Ergebnis."

Die Forderung komme zustande, indem man für zwei Jahre die Zielinflation der Europäischen Zentralbank (2 Prozent) zur Steigerung der Produktivität (1,1 Prozent) addiere, erklärte Hofmann. Er hält aber auch eine "Umverteilungskomponente" für zwingend, weil die Firmen derzeit so hohe Gewinne erzielten. Zum Einwurf des Journalisten in dem Interview, dass dies addiert mindestens 7 Prozent Lohnplus ergäbe, sagte Hofmann: "Oder darüber... schauen wir mal."

Die Verträge für rund 3,7 Millionen Beschäftigte in den Kernbranchen der deutschen Industrie laufen Ende September aus. Bei bundesweiten Sitzungen der regionalen Tarifkommissionen zeichnete sich vergangene Woche bereits ab, dass die IG Metall für ihre Mitglieder bei den anstehenden Tarifverhandlungen angesichts der hohen Inflation ein deutliches Lohnplus herausholen will. Eine exakte Tarifforderung muss vom Bundesvorstand der Gewerkschaft bestätigt werden, nach Angaben der IG Metall soll dies am 11. Juli passieren. In separaten Tarifverhandlungen in der nordwestdeutschen Stahlindustrie fordert die Gewerkschaft für die 68.000 Beschäftigten unter anderem 8,2 Prozent mehr Lohn.

Streit über Lohn-Preis-Spirale

Hofmann widersprach der Darstellung, deutliche Lohnsteigerungen könnten eine Lohn-Preis-Spirale auslösen. "Das sehen Sie schon daran, dass wir die 2 Prozent EZB-Zielinflation zum Maßstab nehmen und nicht die aktuelle Inflation von fast 8 Prozent. Denn dann wäre unsere Forderung zweistellig", sagte er.

Der IG-Metall-Chef bezog auch in der Debatte über eine Übergewinnsteuer für Unternehmen, die durch die Inflation Sondergewinne erzielen, Stellung. "Ich bin dafür, die zusätzlichen Gewinne in allen Branchen abzuschöpfen, die aufgrund der Krise mehr verdienen als im Schnitt der vergangenen Jahre. Das sind nicht nur die Ölmultis", sagte Hofmann. "Auch Chemiekonzerne, Autohersteller und Maschinenbauer freuen sich über Sonderprofite." Unter Ökonomen und in der Ampel-Koalition gehen die Meinungen über den Nutzen einer solchen Extra-Steuer für Mineralölkonzerne auseinander.

la/dpa
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