Andreas Rödder

Historiker über Identitätspolitik und "Cancel Culture" Wo bleiben die Gegenkonzepte aus der Mitte der Gesellschaft?

Andreas Rödder
Ein Essay vom Historiker Andreas Rödder
Bei den Debatten um Rassismus, Diskriminierung und Ausbeutung geht es im Kern darum, unsere Gesellschaftsordnung zu überwinden. Wer glaubt, das Thema ließe sich einfach "abräumen", irrt.
Demonstrantin in Dublin

Demonstrantin in Dublin

Foto: Brian Lawless / dpa

Sie können den Artikel leider nicht mehr aufrufen. Der Link, der Ihnen geschickt wurde, ist entweder älter als 30 Tage oder der Artikel wurde bereits 10 Mal geöffnet.

"Cancel Culture" hätte das Wort des Jahres 2020 werden können, wäre nicht die "Corona-Pandemie" dazwischengekommen. Die Fälle häufen sich, sagen die einen: Dieter Nuhr, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft wegen einer kritischen Bemerkung über Greta Thunberg von ihrer Website nahm; Joanne K. Rowling, die einen Shitstorm wegen "Transphobie" erntete, weil sie sich darüber mokierte, Frauen als "Menschen, die menstruieren" zu bezeichnen; oder die Journalistin Bari Weiss, die bei der "New York Times" kündigte, weil sie einen "neuen McCarthyismus" beklagte, nur diesmal von links. Entwicklungen in den USA werden dabei besonders aufmerksam beobachtet, weil erfahrungsgemäß vieles, was sich dort ereignet, zeitversetzt auch in Europa eintritt.

Immer werden dieselben Einzelfälle wiederholt, sagen die anderen. Es gebe keine Sprechverbote, sondern eine veränderte Debattenkultur, in der die Aufmerksamkeit für ausgrenzendes, rassistisches und menschenfeindliches Sprechen zugenommen habe. Cancel Culture sei daher nichts anderes als ein Kampfbegriff, um sich den Anforderungen anständigen Sprechens zu entziehen, letztlich aber ebenso eine Chimäre wie die Political Correctness.

Es geht um Begriffe – und damit zugleich um sehr viel mehr. Es geht um Sprachspiele, mit denen Kämpfe um "kulturelle Hegemonie" ausgetragen werden, wie der Marxist Antonio Gramsci schon vor einem Jahrhundert hellsichtig erkannte.

Und auch die Debatten um Cancel Culture, Identitätspolitik und Wokeness legen nicht weniger als die Systemfrage auf den Tisch: Sind Rassismus und Diskriminierung Ausnahmen vom Modell der westlichen Gesellschaft, die sich beheben lassen – oder sind sie die Regel dieser Gesellschaftsordnung selbst?

manager magazin plus

Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden manager Abo.

Einen Monat für € 0,99 testen. Jederzeit kündbar.

Ihre Vorteile:

  • manager magazin+ und Harvard Business manager+ im Paket
  • Alle Inhalte von m+ und HBm+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • Der Inhalt der gedruckten Magazine inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Ihre Vorteile:

  • Alle Inhalte von m+ auf der Seite manager-magazin.de und in der manager-Nachrichten-App
  • m+-Newsletter mit besonderen Leseempfehlungen
  • Der Inhalt des gedruckten Magazins inkl. E-Paper (PDF)
Jetzt für € 0,99 testen

Sie sind bereits Digital-Abonnentin oder -Abonnent? Hier anmelden

Weiterlesen mit manager+

Immer einen Einblick voraus

Ihre Vorteile mit manager+

  • manager magazin+

    in der App

  • Harvard Business manager+

    in der App

  • Das manager magazin und den Harvard Business manager lesen

    als E-Paper in der App

  • Alle Artikel in der manager-App

    für nur € 24,99 pro Monat

Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?

manager+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 24,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um manager+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem manager-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung .

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.