Hohe Gaspreise Grüner Wasserstoff jetzt günstiger als grauer Wasserstoff

Der Ukraine-Krieg lässt die Gaspreise weiter steigen und beschleunigt so den Wandel zu sauberen Energien. Eine Folge: Laut einer Studie ist grüner Wasserstoff im Vergleich zur fossilen Variante inzwischen wettbewerbsfähig.
Saubere Sache: Unter Einsatz von erneuerbarer Energie wird der grüne Wasserstoff in Elektrolyseuren hergestellt

Saubere Sache: Unter Einsatz von erneuerbarer Energie wird der grüne Wasserstoff in Elektrolyseuren hergestellt

Foto: Artjazz / Shotshop / IMAGO

Der Moment, in dem grüner Wasserstoff wettbewerbsfähig sein würde, schien kürzlich noch in ferner Zukunft. Jetzt hat der Ukraine-Krieg dem Analysedienst Bloomberg New Energy Finance  (BNEF) zufolge die Erdgaspreise so weit in die Höhe getrieben, dass grüner Wasserstoff in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) sowie in China günstiger geworden ist als fossiler Wasserstoff aus Erdgas. Grüner Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Energiewende. Er wird hergestellt durch die Elektrolyse von Wasser. Mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen wird das Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Grüner Wasserstoff ist damit frei von CO2.

Die Kosten für ein Kilogramm grauen Wasserstoff liegen in der EMEA-Region mit dem Einsatz von westlichen Elektrolyseuren bei 6,71 US-Dollar. Für einen Kilogramm grünen Wasserstoff, der mit erneuerbaren Energien erzeugt wird, sind in den Regionen zwischen 4,84 und 6,68 US-Dollar fällig, heißt es in der BNEF-Studie  "Ukraine War Makes Green Hydrogen Competitive". Ein ähnliches Bild zeigt sich in China, wo die Kosten für grünen Wasserstoff unter Verwendung chinesischer Elektrolyseure derzeit sogar nur bei 3,22 US-Dollar pro Kilogramm liegen, verglichen mit 5,28 US-Dollar pro Kilogramm für grauen Wasserstoff.

Analog dazu entwickeln sich die Preise für grünes und graues Ammoniak, eines der wichtigsten und häufigsten Produkte der chemischen Industrie. Das Gas wird durch die Verbindung von Wasserstoff und Stickstoff erzeugt.

"Der Einmarsch Russlands in der Ukraine hat den Druck auf die weltweiten Erdgaspreise erhöht, die sich aufgrund des knappen Angebots bereits auf Rekordniveau befanden", schreiben die Studienautoren. "Der Preis für aus Erdgas gewonnene Produkte wie Ammoniak ist heute bis zu dreimal so hoch wie noch vor einem Jahr. Dies hat die Tür für 'grünen' Wasserstoff und Ammoniak geöffnet, die aus erneuerbarem Strom hergestellt werden, um mit Erdgas-basierten Verfahren zu konkurrieren."

Die Gaspreise an der niederländischen TTF-Börse sind seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar um mehr als das Sechsfache gestiegen gemessen am Niveau von vor einem Jahr. Die Studienautoren halten es für möglich, dass sich Erdgas weiter verteuert. "Da Europa versucht, sich von den russischen Gasimporten zu lösen, die ein Drittel der Versorgung des Kontinents ausmachen, dürften die Gasmärkte in absehbarer Zukunft mit deutlich höheren Preisen konfrontiert sein."

Doch auch bei sinkenden Gaspreisen sehen die Autoren Chancen für den Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. "Auch wenn sich die wirtschaftliche Situation in einigen Jahren ändern könnte, könnten die Unternehmen grünen Wasserstoff immer noch als eine praktikablere Option betrachten als früher – vor allem, weil sie sich aus sozialen und ökologischen Gründen sowie aus Gründen der Versorgungssicherheit vom Gas abwenden wollen."

dri