Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier Kanzlerin ehrt die Laureatin der Forscher Hall of Fame

Emmanuelle Charpentier ist in die Hall of Fame der deutschen Forschung eingezogen. Die Entdeckerin eines biotechnisch vielfach nutzbaren Verfahrens erhält im Dezember auch den Chemie-Nobelpreis.
Aufgenommen in die Hall of Fame der deutschen Forschung: Emmanuelle Charpentier, Chemie-Nobelpreisträgerin des Jahres 2020

Aufgenommen in die Hall of Fame der deutschen Forschung: Emmanuelle Charpentier, Chemie-Nobelpreisträgerin des Jahres 2020

Foto: Gene Glover für manager magazin

In einer digitalen Festveranstaltung ist Emmanuelle Charpentier (51), Chemie-Nobelpreisträgerin des Jahres 2020, in die Hall of Fame der deutschen Forschung berufen worden. In einer Grußbotschaft würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (66) die wichtigste Entdeckung der Geehrten: „Mit Ihrer Arbeit zur ,Genschere‘ haben Sie die Lebenswissenschaften revolutioniert!“

Die Hall of Fame der deutschen Forschung ist eine gemeinsame Aktion des Darmstädter Pharmakonzerns Merck und des manager magazins und zeichnet alljährlich Wissenschaftler aus, die einen herausragenden Forschungsbeitrag geleistet und zugleich den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähiger gemacht haben.

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Die gebürtige Französin Charpentier, die seit 2013 in Deutschland forscht, war maßgeblich beteiligt an der Entwicklung einer biochemischen „Genschere“, die chirurgisch präzise Veränderungen am Genom von Bakterien, pflanzlichen, tierischen und menschlichen Zellen ermöglicht. Die patentierte Erfindung mit dem Labornamen „Crispr-Cas9“ erlaubt neue oder ertragreichere Produktionsverfahren von Arzneimitteln oder anderen biotechnisch herstellbaren Substanzen. Sie kann schädlingsresistente Nutzpflanzen züchten und eröffnet den Raum für neue „Gentherapien“ beim Menschen, etwa gegen schwere Erbkrankheiten.

Anfang des Monats hatte das schwedische Nobel-Komitee Charpentier den Preis für Chemie zugesprochen, die Jury der Forscher Hall of Fame hatte die 51-Jährige schon im Frühjahr zur Laureatin gewählt. "Unsere Entdeckung ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Grundlagenforschung  schnell in Innovationen verwandelt wird, weil Forscher weltweit die Technologie für neue Anwendungen in Medizin, Landwirtschaft und Biotechnologie nutzen", sagte Charpentier nun in ihrer Dankesrede. 

Kanzlerin Merkel gratuliert Preisträgern

„Wir können uns mit der Hall of Fame der deutschen Forschung glücklich schätzen, die nun mit einer designierten Nobelpreisträgerin einen prominenten Neuzugang gewinnt“, sagte Bundeskanzlerin Merkel. Unter den 25 Mitgliedern sind Harald zur Hausen (84), Medizin-Nobelpreisträger von 2008, Stefan Hell (57), Chemie-Nobelpreisträger von 2014, und Karlheinz Brandenburg (66), Entwickler des Datenkompressionsverfahrens mp3.

Im Rahmen der Berufungsfeier für die neue Laureatin wurden mit Björn Eskofier und Siegfried Rasthofer auch zwei junge Wissenschaftler mit einem Curious Minds Award geehrt. Ihre Forschungsarbeiten zur digitalen Gesundheitsversorgung und zur Cybersicherheit geben der Wirtschaft wichtige Impulse. „Dass der Forschungsstandort Deutschland über hervorragende Rahmenbedingungen für Spitzenforschung verfügt, verdeutlicht auch der Curious-Mind-Forscherpreis“, sagte Kanzlerin Merkel und gratulierte den Preisträgern.

Die Curious-Mind-Preisträger 2020

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„Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leisten Herausragendes – gerade auch hier in Deutschland. So freuen wir uns, heute gemeinsam beides zu würdigen: die exzellenten Leistungen von erfahrenen sowie von jungen Forscherinnen und Forschern“ ergänzte Stefan Oschmann (63), Vorstandschef von Merck, zur Preisvergabe.

Eskofier entwickelt an der Friedrich-Alberts-Universität Erlangen neue Technologien für eine digitale Gesundheitsversorgung. Rasthofer hat beim Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnik (SIT) in Darmstadt Software zur Cybersicherheit entwickelt, die weltweit an Großunternehmen unter anderem im Silicon Valley lizenziert wurde. Heute arbeitet der Informatiker für den Rückversicherer Munich Re.

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