Auslöser der ersten Euro-Krise Griechenland steht nicht mehr unter Finanzaufsicht der EU

Nach zwölf Jahren steht Griechenland nicht mehr unter der Finanzaufsicht der EU. Seit 2010 hatten die Euro-Partner und der IWF das überschuldete Land mehrfach vor dem Staatsbankrott gerettet. Griechenland bekam knapp 300 Milliarden Euro – und klagte über "finanzielles Waterboarding".
Gesichter der ersten Eurokrise: Die Euro-Partner wie Deutschland (im Bild der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble) retteten Griechenland durch immer neue Milliardenkredite vor dem Staatsbankrott. Griechenlands damaliger Finanzminister Iannis Varoufakis (rechts) warf den EU-Partnern finanzielles "Waterboarding" vor und forderte einen kompletten Schuldenerlass

Gesichter der ersten Eurokrise: Die Euro-Partner wie Deutschland (im Bild der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble) retteten Griechenland durch immer neue Milliardenkredite vor dem Staatsbankrott. Griechenlands damaliger Finanzminister Iannis Varoufakis (rechts) warf den EU-Partnern finanzielles "Waterboarding" vor und forderte einen kompletten Schuldenerlass

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FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Mit dem Ende der Finanzaufsicht gehe für Griechenland eine schmerzhafte Zeit zu Ende, die zu wirtschaftlicher Stagnation und einer Spaltung der Gesellschaft geführt habe, erklärte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis in Athen. Er versprach seinen Landsleuten nun einen Neubeginn "voller Wachstum, Einheit und Wohlstand".

In der Finanz- und Schuldenkrise hatten die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) Griechenland ab 2010 mit Krediten von insgesamt fast 289 Milliarden Euro mehrfach vor dem Staatsbankrott gerettet. Im August 2018 endete das dritte Kreditprogramm für das hoch verschuldete Land. Griechenland verließ den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), blieb aber weiter unter Beobachtung.

Die Schuldenkrise und die strikten Sparauflagen der internationalen Gläubiger hatten für viele Griechen drastische Einbußen zur Folge. Bedingung für die Rettungskredite waren etwa massive Kürzungen bei den Renten und Gehältern, der monatliche Mindestlohn fiel damals auf weniger als 600 Euro. Hinzu kamen Steuererhöhungen und Privatisierungen. Die griechische Wirtschaft schrumpfte um mehr als 25 Prozent, die Arbeitslosigkeit stieg auf fast 28 Prozent und Fachkräfte verließen in Scharen das Land.

"Das Griechenland von heute ist ein anderes Griechenland", erklärte Mitsotakis. Griechenland habe zuletzt ein starkes Wirtschaftswachstum und einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnet.

EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni erklärte, das Ende der Finanzaufsicht über Griechenland sei zugleich "der symbolische Abschluss der schwierigsten Zeit, die die Eurozone je erlebt hat". Die starke gemeinsame Antwort auf die Corona-Pandemie habe gezeigt, "dass Europa die Lehren aus dieser Krise gezogen hat". Solidarität und Einheit seien auch in der aktuellen Wirtschaftskrise wichtig.

Inzwischen blicken die Euro-Länder nicht mehr so stark auf Griechenland, sondern haben eher das hoch verschuldete Italien im Fokus. Beobachter befürchten, dass das langsam steigende Zinsniveau in der Euro-Zone Italien in schwere Bedrängnis bringen könnte. Die Europäische Zentralbank EZB hat deshalb bereits ein Hilfsprogramm aufgelegt, das ihr erlaubt, weiterhin italienische Staatsanleihen zu kaufen und zu verhindern, dass die Risikoaufschläge für italienische Anleihen allzu stark steigen.

la/afp
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