Öl- und Gaspreise steigen kräftig Energiepreise explodieren, EU warnt vor Preisschock im Winter

Die stark steigenden Energiepreise lassen die Inflationsangst wachsen. Europas Börsen knicken ein. EU-Energiekommissarin Kadri Simson bereitet Verbraucher bereits auf einen teuren Winter vor.
Erdgaspipeline: Die Preise für Öl und Erdgas sind rasant gestiegen

Erdgaspipeline: Die Preise für Öl und Erdgas sind rasant gestiegen

Foto: Stefan Sauer / picture alliance / dpa

Der rasante Anstieg der Energiepreise und damit verbundene Inflationsängste lassen Europas Aktienmärkte einbrechen. Anleger befürchteten, dass die angezogenen Energiepreise die Zentralbanken dazu zwingen könnten, die Zinsen schneller anzuheben, um auf die steigende Inflation zu reagieren.

"Ein weiterer Anstieg des Ölpreises wird alle dazu zwingen, die Inflationsannahmen neu zu bewerten", sagte Dave Wang, Portfoliomanager bei Nuvest Capital. Zudem befürchteten Börsianer Rückschläge für die wirtschaftliche Erholung. "Ein Ölpreisanstieg auf 90 oder 100 Dollar könnte die Erholung der europäischen Konjunktur gefährden, zumal die russischen Gasimporte eine Ölpreisbindung besitzen", sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets. Mit dem höheren Ölpreis stiegen auch die Gaspreise weiter an. Die Preise für Gas haben sich binnen eines Jahres fast verzehnfacht.

Teure Energie, Dämpfer für Konjunktur: Angst vor der Stagflation

Die Mischung aus steigenden Energiepreisen und einer dadurch geschwächten wirtschaftlichen Erholung könnte langfristig für Stagflation sorgen. Diese Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und Inflation ist für die weltweiten Notenbanken ein noch schwierigeres Szenario als Inflation.

Trotz der Sorgen über eine weltweite Energieknappheit widersetzte sich das Ölkartell Opec dem Druck und beschloss am Montag die Fördermengen nicht schneller hochzufahren. Der Verzicht auf eine stärkere Förderung der Opec+ sorgte auch zur Wochenmitte noch als Preistreiber und verteuerte die Sorte Brent aus der Nordsee auf bis zu 83,47 Dollar je Barrel (159 Liter), dem höchsten Stand seit drei Jahren. Der Preis von US-Öl WTI zog auf bis zu 79,78 Dollar an und lag damit so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr.

"Mit dem noch ausstehenden Wintereinbruch auf der Nordhalbkugel zeichnet sich eine Energiekrise ab, die die Voraussetzungen für noch höhere Ölpreise schafft", sagte Stephen Brennock vom Ölmakler PVM. Der Preis für die Sorte Brent ist in diesem Jahr bereits um mehr als 50 Prozent angezogen. Auch Erdgas liegt in Europa auf einem Rekordhoch. Zudem haben die Kohlepreise der großen Exporteure Höchststände erreicht. In Kombination mit den anhaltenden Lieferengpässen wachse damit der Druck auf die Notenbanken, die geldpolitischen Zügel früher anzuziehen.

EU-Kommissarin schwört Europa auf Winter mit hohen Energiepreisen ein

Europa steht daher nach Einschätzung der EU-Kommission ein Winter mit hohen Energiepreisen bevor. "Die Gaspreise werden während des Winters hoch bleiben und dürften ab dem Frühling kommenden Jahres nach und nach fallen", sagte Energiekommissarin Kadri Simson am Mittwoch bei einer Debatte im Europaparlament in Straßburg. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei nun, wie kalt der Winter werde. «Dieser Preisschock darf nicht unterschätzt werden.»

Zahlreiche Gründe hätten zu den extrem hohen Energiepreisen geführt, sagte sie. Da sei der weltweiter Energiehunger, denn die Wirtschaft nehme nach den Einschränkungen in der Pandemie an Fahrt auf. Wegen des ungewöhnlich kalten vergangenen Winters seien zudem Europas Gasvorräte geschrumpft. Im Sommer seien außerdem Instandhaltungsarbeiten an Pipelines nachgeholt worden - was zu verringerten Lieferungen geführt habe. Europas eigene Gasproduktion sei zurückgegangen. Dazu habe es weniger Wind in Europa gegeben, was die Menge an erneuerbarer Energie verringert habe.

Für die EU sei es auf lange Sicht entscheidend, unabhängiger von fossilen Energieträgern und deren schwankenden Preisen zu werden. Kurzfristig müssten die Mitgliedstaaten vor allem einkommensschwache Haushalte schützen: etwa mit Direktzahlungen oder niedrigeren Energiesteuern.

la/dpa/reuters