Östliches Mittelmeer Griechenland ruft Türkei im Erdgasstreit zu Verhandlungen auf

Im Streit um Erdgasfelder im östlichen Mittelmeer hat der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis signalisiert, dass er zu Verhandlungen mit der Türkei bereit ist. Diese könnten aber nicht unter dem Eindruck der jüngsten Drohungen Ankaras stattfinden.
Die Türkei hat das Forschungsschiff "Oruc Reis" zur griechischen Insel Kastellorizo entsandt

Die Türkei hat das Forschungsschiff "Oruc Reis" zur griechischen Insel Kastellorizo entsandt

Foto: OZAN KOSE / AFP

"Wir sind bereit, mit allen unseren Nachbarn zu reden", erklärte Kyriakos Mitsotakis (52) im Staatsfernsehen (ERT). Die türkischen Drohungen ließen aber zweifeln, dass Ankara wirklich bereit sei, mit Verhandlungen das Problem im Rahmen des internationalen Rechts zu lösen. Mit den Drohungen öffne Ankara nur die Tür für Sanktionen seitens der EU. Griechenland dagegen provoziere nicht.

Zum dritten Tag in Folge setzte am Mittwoch das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" seine Forschungen nach Erdgas im Mittelmeer südlich der griechischen Insel Megisti (Kastelorizo) fort. Türkische Kriegsschiffe beschützen es. Die griechische Marine beobachtet die Bewegungen der türkischen Schiffe und fordert das Forschungsschiff auf, die Region zu verlassen. "Mit einer solchen Ansammlung so großer Streitkräfte in einem so kleinen Raum" sei die Gefahr eines Unfalls "sehr groß", meinte Mitsotakis weiter.

Die Suche der Türkei ist aus Sicht Athens illegal, weil die Region zur sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) des EU-Landes gehöre. Auch die EU hat die türkischen Aktionen verurteilt und Ankara aufgefordert, sie einzustellen. Auch aus Berlin kam Kritik. Nach türkischer Lesart haben Inseln wie Kreta oder Megisti zwar Hoheitsgewässer, aber keine Ausschließliche Wirtschaftszone.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg versucht zu beschwichtigen

Der Konflikt stellt das Nato-Verteidigungsbündnis auf die Probe, in dem beide Länder Mitglied sind. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg (61) hatte sich am Montag mit dem griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis (52) getroffen und anschließend die Parteien dazu aufgefordert, sich an internationales Recht zu halten. Die Türkei fühlt sich durch ein vergangene Woche geschlossenes Abkommen zwischen Griechenland und Ägypten provoziert. Diese haben die Errichtung einer ausschließlichen Wirtschaftszone im Mittelmeer verabredet, die nur von ihnen genutzt werden darf. Das türkische Außenministerium hatte dieses Abkommen für "null und nichtig" erklärt und erst die Entsendung des Schiffes "Barbaros Hayrettin" in das umstrittene Gebiet angekündigt. Darauf folgte nun die Entsendung der "Oruc Reis".

Ende Juli hatte Ankara noch verkündet, "für eine Weile" auf die umstrittenen Bohraktivitäten nahe Kastellorizo zu verzichten und mit Griechenland und dem aktuellen EU-Ratsvorsitzenden Deutschland zu verhandeln. Schon im Januar hatte Griechenland mit Zypern und Israel ein Abkommen über den Bau einer Gaspipeline durchs Mittelmeer unterzeichnet. Vergangenes Jahr hatte allerdings die Türkei ein Abkommen mit der Einheitsregierung in Libyen abgeschlossen, um sein Seegebiet auszuweiten. Dieses Abkommen wird wiederum von Ägypten, Zypern und Griechenland nicht anerkannt. Seit der Entdeckung von reichen Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer, auch vor der Küste Zyperns, gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl die Republik Zypern als auch die Türkei und Griechenland erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete.

la/dpa
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