Macron greift Le Pen im TV-Duell an "Wenn Sie von Russland sprechen, dann sprechen Sie von Ihrem Geldgeber"

Wenige Tage vor der Stichwahl in Frankreich haben sich Präsident Macron und seine Herausforderin Le Pen gegenseitig heftig angegriffen. In dem einzigen TV-Duell schien Le Pen diesmal besser vorbereitet. In Umfragen liegt Macron jedoch vorn.
Hitzige Diskussion: In der einzigen TV-Debatte zwischen Staatspräsident Emmanuel Macron (l.) und Herausforderin Marine Le Pen griffen sich die Kontrahenten teils massiv an

Hitzige Diskussion: In der einzigen TV-Debatte zwischen Staatspräsident Emmanuel Macron (l.) und Herausforderin Marine Le Pen griffen sich die Kontrahenten teils massiv an

Foto: Ludovic Marin / dpa

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (44) und seine rechte Rivalin Marine Le Pen (53) haben sich im einzigen TV-Duell vor der Wahl am Sonntag ein hitziges Wortgefecht geliefert. In der Fernsehsendung am Mittwochabend fielen sich die Kontrahenten mehrfach ins Wort. Am Umgang mit Russland und der Rolle Frankreichs in der EU entzündete sich eine heftige Kontroverse. Le Pen präsentierte sich zugleich als Anwältin der Verbraucher, die deren Kaufkraft steigern wolle: "Ich werde die Präsidentin der Lebenshaltungskosten sein."

Macron warf der für eine kräftige Mehrwertsteuersenkung auf Energie eintretenden Konkurrentin vor, ihre Vorschläge seien teilweise wirklichkeitsfremd. Dies gelte auch für Lohnsteigerungen, die sie im Falle ihrer Präsidentschaft erreichen wolle.

Macron attackierte seiner Konkurrentin auch mit Blick auf ihre früher offen zur Schau getragene Nähe zu Russland. Er warf ihr vor, von dessen Präsidenten Wladimir Putin (69) abhängig zu sein. "Wenn Sie von Russland sprechen, dann sprechen Sie von Ihrem Geldgeber", sagte er. Le Pens Partei erhielt 2014 einen Kredit von einer russischen Bank. Kurz vor den Wahlen 2017 wurde Le Pen zudem von Putin in Moskau empfangen. Die Chefin des Rassemblement National (RN) verteidigte den Kredit aus Russland, da in Frankreich damals kein Darlehen zu erhalten gewesen sei. Zudem habe diese Transaktion ihre Unabhängigkeit in keiner Weise beeinträchtigt.

Le Pen will Rüstungskooperation mit Deutschland aufkündigen

Den Einmarsch Russlands in die Ukraine hat die 53-Jährige als klare Verletzung internationalen Rechts verurteilt. Zugleich will sie sich für eine Annäherung zwischen der Nato und Russland einsetzen, falls der Ukraine-Krieg beendet ist und ein Friedensvertrag steht. Die Rüstungskooperation mit Deutschland will die rechte Kandidatin aufkündigen, die Macron in der Vergangenheit "Blindheit gegenüber Berlin" vorgeworfen hat.

In der TV-Debatte kritisierte sie zudem Deutschland wegen einer Energiepolitik, die sie als verfehlt bezeichnete, da sie das Land "sehr abhängig von russischem Gas" gemacht habe. Mit den gegen Russland verhängten Sanktionen stimme sie zwar überein. Doch ein Gasimportstopp komme für sie nicht infrage. Dies sei nicht die richtige Methode: "Wir können nicht Harakiri betreiben in der Hoffnung, damit Russland zu schaden."

Im TV-Studio: Le Pen zeigte sich in der Fernsehdebatte besser vorbereitet als 2017

Im TV-Studio: Le Pen zeigte sich in der Fernsehdebatte besser vorbereitet als 2017

Foto: POOL / REUTERS

Die in den vergangenen Jahren auf eine weniger radikale Linie umgeschwenkte rechte Immigrationsgegnerin betonte zudem, sie sei nicht gegen den Islam, der seinen Platz in Frankreich habe. Sie kämpfe allerdings gegen radikalen Islamismus. Zugleich müsse das Problem der "massiven und anarchischen Einwanderung" gelöst werden. In einem Referendum solle über diese Frage entschieden werden.

Le Pen zeigte sich in der Fernsehdebatte besser vorbereitet als 2017, als sie nach Ansicht vieler Beobachter beim damaligen TV-Duell gegen Macron schlechter abschnitt. Sie erlitt bei der Präsidentenwahl damals eine krachende Niederlage gegen Macron. Anders als seinerzeit zog sie nun nicht mehr mit der Forderung nach einem Ausstieg aus der Eurozone in den Wahlkampf. Die EU soll aber nach ihrer Vorstellung durch ein "Europa der Nationen" ersetzt werden.

Macron liegt in Umfragen zur Stichwahl vorn

Macron warf seiner rechten Rivalin vor, insgeheim strebe sie weiter einen Austritt aus dem Euro an: "Heute wolle sie zwar weiter raus, aber sie sagen es nicht mehr." Der Pro-Europäer betonte zugleich, er setze auf die deutsch-französische Achse. Le Pen erwiderte, sie sehe Frankreich als Welt- und nicht nur als europäische Macht. Sie habe im Europaparlament auch beobachtet, dass "die Deutschen die Interessen der Deutschen" verteidigt hätten. Sie wolle die EU zwar verändern, aber nicht aus ihr austreten.

In Befragungen vor der Stichwahl lag Macron in der Wählergunst zuletzt klar vorn, wobei er laut Umfragen für die Stichwahl am Sonntag mit 55,5 bis 56,5 Prozent rechnen kann. Damit zeichnet sich ein weit weniger enges Rennen ab, als es vor der ersten Runde der Präsidentenwahl laut Umfragen zu erwarten war. Die Fernsehdebatte galt als letzte große Chance für Le Pen, die Stimmung zu ihren Gunsten zu drehen.

rei/Reuters, AFP