US-Notenbankchef Powell hält US-Wirtschaft stark genug für steigende Zinsen

US-Notenbankchef Jerome Powell stellt klar: Die Leitzinsen in den USA werden so lange steigen, bis das Inflationsziel von 2 Prozent in Reichweite liegt. Der US-Wirtschaft sei stark und gut aufgestellt, sie werde steigende Zinsen verkraften.
Fed-Chef Jerome Powell sprach am Mittwochnachmittag in den USA vor einem Kongressausschuss

Fed-Chef Jerome Powell sprach am Mittwochnachmittag in den USA vor einem Kongressausschuss

Foto: IMAGO/Liu Jie / IMAGO/Xinhua

Jerome Powell (69) hat am Mittwoch bekräftigt, dass die US-Notenbank so lange die Zinsen anheben werde, bis sie eindeutige Beweise für eine Verlangsamung der Inflation auf das Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbank sieht. "In den kommenden Monaten werden wir nach zwingenden Beweisen dafür suchen, dass die Inflation zurückgeht", sagte Powell am Mittwoch während einer Anhörung vor dem US-Kongress.

Powell zufolge, der zunächst dem Bankenausschuss des Senats Rede und Antwort steht, hängt die Geschwindigkeit der geldpolitischen Schritte von den Konjunkturdaten und von den wirtschaftlichen Aussichten ab. Die Inflation habe offensichtlich, was die Stärke angehe, überrascht und es könnten weitere Überraschungen anstehen, sagte er. Die Inflation war im Mai auf 8,6 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 40 Jahren geklettert. Die Währungshüter müssten auf die Daten und die sich verändernden Aussichten stets flink reagieren, sagte Powell.

"Wir haben sowohl die Instrumente, die wir brauchen, als auch die Entschlossenheit, die es braucht, um die Preisstabilität wiederherzustellen", bekräftigte Powell laut "Wall Street Journal"  und betonte zugleich: "Die amerikanische Wirtschaft ist sehr stark und gut aufgestellt, um eine straffere Geldpolitik zu verkraften." Nach einem leichten Einbruch im ersten Quartal sei die Wirtschaft im zweiten Quartal ersten Indikatoren zufolge wieder gewachsen, sagte Powell.

Skeptiker befürchten, dass die Zentralbank im Kampf gegen die Inflation die Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. Die Investmentbanker von Goldman Sachs schätzten die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA auf 30 Prozent im kommenden und auf 48 Prozent im Jahr 2024. Auf die Frage, ob zu hohe Zinsen zu einer Rezession führen könnten, sagte Powell: "Das ist sicher eine Möglichkeit. Das ist nicht unser gewünschtes Ergebnis, aber es ist sicherlich eine Möglichkeit."

Vor einer Woche hatte die US-Notenbank ihren Leitzins um einen dreiviertel Prozentpunkt und damit so stark wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr angehoben - und zwar auf eine Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Angesichts der hohen Inflation hatte die Fed zuletzt für das laufende und das kommende Jahr ein schnelleres Tempo der Zinserhöhungen als noch vor drei Monaten in Aussicht gestellt, wobei der Leitzins bis Ende kommenden Jahres 3,8 Prozent erreichen soll. Das wäre der höchste Stand seit 15 Jahren.

rei/Reuters, DPA
Mehr lesen über