Trotz Rekordinflation EZB lässt Zinsen bei 0 Prozent

Trotz der Rekordinflation im Euroraum zögert die EZB in Zeiten des Ukraine-Krieges eine Zinswende weiter hinaus und lässt die Zinsen bei 0 Prozent. Die Tür für eine baldige Zinserhöhung hält die Notenbank jedoch offen.
EZB-Chefin Christine Lagarde lässt den Zeitpunkt der Zinswende weiterhin offen

EZB-Chefin Christine Lagarde lässt den Zeitpunkt der Zinswende weiterhin offen

Foto: Philipp von Ditfurth / dpa

Zinswende erneut vertagt: Der Rat der Europäischen Zentralbank beschloss am Donnerstag, den geldpolitischen Schlüsselsatz von 0,0 Prozent beizubehalten. Zugleich müssen Banken weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank horten. Dieser sogenannte Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent.

Der EZB-Rat hält die Tür allerdings für eine Erhöhung offen: Er steht bereit, "alle seine Instrumente" bei Bedarf anzupassen. Damit will er sicherstellen, dass sich die Inflation mittelfristig bei dem Zielwert von 2,0 Prozent stabilisiert. Zuletzt war die Teuerung mit 7,5 Prozent aber weit darüber hinausgeschossen.

Die EZB will als Vorstufe einer Zinswende zunächst ihre milliardenschweren Anleihenkäufe auslaufen lassen. Das für den Sommer ins Auge gefasste Aus für das sogenannte APP-Programm ist jedoch an die Bedingung geknüpft, dass sich der Inflationsausblick nicht eintrübt.

Teuerung im Euroraum zuletzt bei 7,5 Prozent

Die EZB sieht sich derzeit mit einer immer weiter steigenden Inflation konfrontiert. Die Teuerung im Euroraum lag zuletzt mit 7,5 Prozent meilenweit über dem Zielwert der Währungshüter von 2,0 Prozent. Der Einlagesatz – eine Art Strafzins für das Horten von Geld bei der EZB – liegt seit Jahren bei minus 0,5 Prozent, während auch der Leitzins auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent verharrt. Der EZB-Rat will nicht auf kurzfristige Ausschläge bei den Verbraucherpreisen reagieren. Die Währungshüter sehen sich vielmehr an ihre strategische Verpflichtung  gebunden, die Inflation auf mittlere Sicht bei 2 Prozent zu stabilisieren.

Die führenden deutschen Forschungsinstitute sehen die Währungshüter in einem Zielkonflikt. Die hohe Inflation erfordere eigentlich höhere Zinsen. Doch die vom Ukraine-Konflikt beförderte Schwäche der Wirtschaft mache eher eine stimulierende Geldpolitik nötig.

dri/Reuters, dpa-afxp