Dienstag, 23. April 2019

Ökonomischer Nutzen von Flüchtlingen Wie Flucht die schwedische Wirtschaft voranbringt

Hoffnung aus Übersee: Auch die schwedische Bevölkerung altert - die Rentenfinanzen gelten aber als stabil

2. Teil: Nicht alles läuft wie in einem Musterland

Der Anteil der akademisch Gebildeten ist unter den Einwanderern zwar höher als in der alteingesessenen Bevölkerung. Doch wie der "Guardian" schreibt, macht das Land im internationalen Vergleich besonders wenig aus dem Potenzial der Einwanderer. "Ärzte und Ingenieure arbeiten als Taxifahrer und Putzkräfte."

Arbeitslosigkeit und Armut ist in Schweden noch stärker als anderswo ein Problem der Ausländer. Auch in Stockholmer Vorstädten gab es schon Krawalle frustrierter Jugendlicher ohne Perspektive. Die Einwanderer-Gettos des sozialen Wohnungsbaus passen wenig zu dem selbsternannten Musterland.

In der wirtschaftlich wenig rosigen Lage des Landes haben die rassistischen "Schwedendemokraten" Konjunktur, die den Politikbetrieb schon zeitweise lahmlegten und laut aktuellen Umfragen sogar Chancen haben, zur größten Partei aufzusteigen. Sie stellen die Einwanderung als Gefahr für den schwedischen Sozialstaat dar.

Die OECD hingegen sieht eine leicht positive Wirkung der Immigration auf die schwedischen Staatsfinanzen - der Vorteil fällt längst nicht so groß aus wie in der Schweiz oder Luxemburg, wo es viele hochqualifizierte Migranten hinzieht. Die Forscher sehen aber - unter Verweis auf große Unsicherheit der Schätzung - auch kein Minusgeschäft wie im Fall der eher unstrukturierten deutschen Einwanderungspolitik.

Für die Volkswirtschaft insgesamt vorteilhaft ist die demografische Wirkung der Einwanderung. Schweden ist ein wachsendes Land, während Deutschland mittelfristig schrumpft. Die Familienpolitik macht mit einer leicht höheren Geburtenrate nur einen kleinen Teil des Unterschieds aus, Hauptfaktor ist die Migration.

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