EZB-Präsidentin in Davos Lagarde warnt vor neuem Inflationsdruck wegen China

Die Europäische Zentralbank will den Kampf gegen die hohe Inflation fortführen. Das sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Zugleich warnte sie vor einem neuen Preisdruck nach Aufhebung der Corona-Auflagen in China.
Schlusstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Schlusstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos: EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Foto: GIAN EHRENZELLER / EPA

EZB-Präsidentin Christine Lagarde (67) hat die Entschlossenheit der Euro-Notenbank bekräftigt, den Kampf gegen die hohe Inflation auch im neuen Jahr fortzusetzen. "Kurshalten ist mein Mantra für geldpolitische Zwecke, keine Frage", sagte Lagarde am Freitag in einer Diskussionsrunde auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Andere Akteure müssten ebenso handeln.

Und sie sollten dies in einer subtileren Weise tun als im Jahr 2022. So müssten die fiskalischen Hilfen in Europa besser ausgerichtet, zielgerichteter gestaltet werden. Sie müssten so austariert werden, dass die Geldpolitik nicht dahin getrieben werde, mehr zu unternehmen. Bereits am Vortag hatte Lagarde in Davos in Aussicht gestellt, dass die EZB von ihrem Zinserhöhungspfad nicht abweichen wird.

Dazu befragt, ob ein Euro/Dollar-Kurs von 1,20 Dollar einige Währungshüter dazu bewegen könnte, ihren Zinsausblick zu ändern, sagte Lagarde, sie habe nicht gesehen, dass der Kurs am Morgen dort notiert habe. Am Freitagnachmittag lag der Kurs der Gemeinschaftswährung leicht im Minus bei 1,0815 Dollar. "Die Zentralbank hat kein Wechselkursziel", sagte Lagarde. Sie berücksichtige bei ihren Berechnungen aber den Einfluss auf die Inflation, den Kursveränderungen bei den Währungen haben.

Die EZB hatte nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik im Juli 2022 die Zinswende vollzogen und seitdem in rascher Folge bereits viermal die Schlüsselsätze angehoben – zuletzt im Dezember um 0,50 Prozentpunkte. Der Einlagensatz, der an den Finanzmärkten aktuell als der maßgebliche Satz gilt und den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt mittlerweile bei 2,0 Prozent. Noch im Juni 2022 hatte er bei minus 0,5 Prozent gelegen, was Strafzinsen für die Geldhäuser bedeutete.

Neuer Inflationsdruck aus China

Lagarde äußerte sich auf der Veranstaltung auch zur Wiedereröffnung der chinesischen Wirtschaft. Das werde positiv für China sein und den Rest der Welt. Es werde aber auch Inflationsdruck auf viele andere ausüben. "Es wird Beschränkungen geben, es wird mehr Inflationsdruck geben, der von der zusätzlichen Nachfrage nach Rohstoffen und insbesondere Energie ausgeht", führte sie aus.

China hatte 2022 mit einem Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent sein Planziel klar verfehlt, will dieses Jahr aber nach dem Ende der strikten Corona-Beschränkungen zu alter Stärke zurückkehren.

hr/reuters
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