Reaktionen zur Frankreich-Wahl Deutsche Industrie "erleichtert" über Macrons Wahlsieg

Während viele Spitzenpolitiker in Europa und die deutsche Industrie aufatmen, gibt sich der neue und alte französische Staatspräsident demütig. Emmanuel Macron verspricht, eine Antwort auf die rechten Proteste zu finden. Der Euro profitiert nur kurz von der Wahl Macrons.
Demut und Dank: Emmanuel Macron küsst einen Anhänger am Tag der Wahl. Der neue und alte Staatspräsident muss Frankreich einen, denn mehr als 40 Prozent der Franzosen haben die rechtsnationale Marine Le Pen gewählt.

Demut und Dank: Emmanuel Macron küsst einen Anhänger am Tag der Wahl. Der neue und alte Staatspräsident muss Frankreich einen, denn mehr als 40 Prozent der Franzosen haben die rechtsnationale Marine Le Pen gewählt.

Foto: Gonzalo Fuentes / AFP

BDI-Präsident Siegfried Russwurm (58) hat die Wiederwahl von Staatschef Emmanuel Macron (44) als wichtiges Zeichen für Frankreich und ein geeintes Europa bezeichnet. "Die deutsche Industrie ist erleichtert, dass Frankreich ein starker Partner in einer Zeit internationaler Krisen bleibt", erklärte Russwurm am Sonntagabend in Berlin. Die großen Herausforderungen durch den Krieg in der Ukraine, durch Corona, im Klimaschutz und bei der Digitalisierung erforderten einen intakten deutsch-französischen Motor im Herzen Europas. Eine enge Zusammenarbeit der Regierungen in Paris und Berlin bleibe unersetzlich, um die Abhängigkeit von russischen Energieträgern zu reduzieren und Europas Wachstum zu stärken.

Doch nicht nur deutsche Industrie zeigte sich erleichtert über Macrons Wahlsieg. Bundeskanzler Olaf Scholz (63) würdigte die Wiederwahl Macrons als klares Bekenntnis zu Europa. "Félicitations, herzliche Glückwünsche, lieber Präsident @Emmanuel Macron", schrieb der SPD-Politiker am späten Sonntagabend auf Twitter. "Deine Wählerinnen und Wähler haben heute auch ein starkes Bekenntnis zu Europa gesendet. Ich freue mich, dass wir unsere gute Zusammenarbeit fortsetzen!" Scholz gratulierte dem Liberalen Macron am Abend in einem Telefonat auch persönlich zu seinem Wahlsieg – als erster ausländischer Regierungschef, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit mitteilte.

Zu den ersten Gratulanten zählten ebenso Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (66) wie auch EU-Ratspräsident Charles Michel (46). Dieser schrieb: "In diesen stürmischen Zeiten brauchen wir ein starkes Europa und ein Frankreich, das sich voll und ganz für eine souveränere und strategischere Europäische Union einsetzt." US-Präsident Joe Biden (79) schrieb am Sonntagabend (Ortszeit) bei Twitter: "Frankreich ist unser ältester Verbündeter und ein wichtiger Partner bei globalen Aufgaben." Er freue sich auf die Weiterführung einer engen Kooperation etwa bei der Unterstützung der Ukraine, der Verteidigung der Demokratie und beim Kampf gegen den Klimawandel.

Macron zeigt sich demütig, Le Pen spricht von einem "strahlenden Sieg"

Macron hatte sich nach Angaben des französischen Innenministeriums nach Auszählung aller Stimmen mit 58,55 Prozent gegen seine Herausforderin Marine Le Pen durchgesetzt. Die 53-Jährige kam demnach auf 41,45 Prozent. Damit verbesserte Le Pen ihr Wahlergebnis vom letzten Duell gegen Macron im Jahr 2017 um fast 8 Prozentpunkte. Vor fünf Jahren erhielt sie knapp 33,9 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei 72 Prozent und damit etwas niedriger als vor fünf Jahren (74,56 Prozent).

"Die Wut und der Dissens, die Sie dazu gebracht haben, für dieses Vorhaben zu stimmen, muss auch eine Antwort finden"

Emmanuel Macron in seiner Ansprache nach der Wahl an die Wähler von Le Pen gerichtet

Als uneingeschränkte Bestätigung ist Macrons Sieg keinesfalls zu verstehen. Während Le Pen das Ergebnis einen "strahlenden Sieg" nannte, zeigte Macron sich demütig: "Ich weiß, dass viele unserer Mitbürger heute für mich gestimmt haben, um die Ideen der Rechtsextremen zu verhindern und nicht, um die meinen zu unterstützen." Mit Blick auf Le-Pen-Wähler sagte er: "Die Wut und der Dissens, die Sie dazu gebracht haben, für dieses Vorhaben zu stimmen, muss auch eine Antwort finden."

Proteste in der Nacht

Wie dringend diese Antwort ist, zeigte sich noch in der Nacht: So kam es am Sonntagabend in mehreren Städten zu Protesten. In Lyon kam es zu Zusammenstößen zwischen linken Gruppen, "Gelbwesten"-Demonstranten und der Polizei, wie der Sender BFMTV berichtete. Zunächst beschossen die Demonstranten die Gemeindepolizei mit Feuerwerkskörpern, wie auch auf Videobildern zu sehen war. Später schritt die Nationalpolizei ein, um die Ausschreitungen zu beenden. Auch in Paris kamen Demonstranten abends an mehreren Plätzen zusammen, die weder Macron noch Le Pen für eine sinnvolle Wahl hielten, wie die Zeitung "Le Parisien" berichtete. Von nennenswerten Ausschreitungen war in der Hauptstadt aber zunächst nicht die Rede. Im westfranzösischen Rennes, wo es bereits nach der ersten Wahlrunde zu Krawallen von linken Gruppen sowie Protesten gegen extreme Rechte gekommen war, verbot die Präfektur eine Demonstration am Sonntagabend.

Euro profitiert nur kurz von Wahlsieg Macrons

Das demokratische Europa mochte aufatmen am Sonntag, der Kurs des Euro profitierte zu Wochenbeginn jedoch nur kurz vom Wahlsieg des französischen Präsidenten. Am Montagmorgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,0775 US-Dollar und damit etwas weniger als am späten Freitagabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,0817 Dollar festgesetzt.

rei/Reuters, DPA, AFP