Mittwoch, 26. Juni 2019

Teure Bankenrettung in Italien Hier scheitert gerade Europas Bankenunion

Filiale der Banca Popolare di Vicenza in Rom

Jetzt passiert es doch wieder. Zwei Banken kollabieren in Italien, doch ein Teil der Investoren - nämlich die besicherten Anleihegläubiger - werden verschont. Dafür haftet der Staat, der dem als Retter auftretenden Großkonzern Intesa Sanpaolo Börsen-Chart zeigen die Übernahme von Filialnetz und wertvollen Assets auch noch mit mehreren Milliarden versüßt.

Steuerzahler blechen für die Risiken der Banker, um größere Schäden im Banksystem zu verhindern. Genau diesen Zwang sollte doch die europäische Bankunion mit der geordneten Abwicklung gescheiterter Banken durchbrechen.

"Bail-in" heißt das Prinzip, nach dem der Schaden zuerst nach innen durchgereicht wird, über die Aktionäre und Gläubiger wenn nötig zu den Sparern (mit Ausnahmen für kleine Vermögen) - und zu den Beschäftigten natürlich auch. Der Staat soll nur die weitere Ausbreitung des Schocks verhindern.

Das wurde Anfang Juni erstmals an der spanischen Banco Popular erprobt - einigermaßen erfolgreich, auch wenn das Krisenmanagement der EZB in Spanien durchaus auf Kritik stößt und das Ergebnis gar nicht so verschieden vom jetzigen Fall von Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza ist: Auch bei Popular wurden die besicherten Gläubiger verschont, auch dort sammelte eine Großbank (Santander) die brauchbaren Reste zum Schnäppchenpreis ein.

Dass Italien vom Skript abweicht und doch noch zum Bail-out greift, dass die EU das auch noch akzeptiert, stößt europaweit auf harte Kritik. Vor allem deutsche Politiker wittern einen Regelbruch. Wieder einmal, aus dem renitenten Süden.

Allerdings fällt es auch nicht schwer, diese Renitenz zu verstehen. Die Italiener haben vielleicht einen zu hohen Preis dafür gezahlt, aber durchaus gute Gründe, die Bankgläubiger zu retten.

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