Sonntag, 22. September 2019

Die deutsche Euro-Politik hat versagt Briten und Italiener gehen - wegen Deutschland

Brüder im Geiste: Boris Johnson will David Cameron beerben - und vergleicht in bester Trump-Manier die EU mit Hitler. Die Vorlage lieferte der Daily Telegraph - wer für die EU stimme, stimme für das "Vierte Reich"
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Brüder im Geiste: Boris Johnson will David Cameron beerben - und vergleicht in bester Trump-Manier die EU mit Hitler. Die Vorlage lieferte der Daily Telegraph - wer für die EU stimme, stimme für das "Vierte Reich"

6. Teil: Austrittskandidat Nummer 1 ist Italien, nicht England

Egal, wie das Votum der Briten in der kommenden Woche ausgeht - die Probleme der EU und vor allem der Eurozone wachsen weiter an. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in einem Euroland eine Partei mit dem Wahlversprechen an die Macht kommt, alle Probleme des Landes mit einem Austritt aus Euro und EU zu lösen.

Mein Hauptkandidat ist und bleibt Italien. Die dortige Rezession dauert schon länger an als jene der 1930er Jahre, die Wirtschaftsleistung liegt noch immer deutlich unter dem schon nicht begeisternden Niveau von 2008. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Staatsverschuldung außer Kontrolle. Eine Schließung des auf 30 Prozent geschätzten Lohnstückkostennachteils gegenüber Deutschland auf dem Wege der "internen Abwertung", also der Kürzung von Löhnen, völlig illusorisch.

Italien kann seine industrielle Basis nur durch Abwertung der Lira retten

Noch könnte Italien durch einen Austritt aus der Eurozone Teile seiner industriellen Basis retten. Mit einer abgewerteten Lira wäre das Land über Nacht wettbewerbsfähig. Schon vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle die Entwicklung in Italien diskutiert und gefordert, "Lasst uns aus dem Euro austreten, bevor Italien es tut".

Das gilt heute noch mehr als damals. Natürlich wird Deutschland nicht austreten. Nur müssen wir uns dann auf das andere Szenario vorbereiten.

"Uscitalia" ist das echte Risiko, und unsere Regierung tut alles, damit es passiert. Da hilft dann auch kein "Si prega di non uscire!" mit italienischer Flagge auf dem Titelbild des SPIEGEL.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMachervon manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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