Mittwoch, 18. September 2019

Die deutsche Euro-Politik hat versagt Briten und Italiener gehen - wegen Deutschland

Brüder im Geiste: Boris Johnson will David Cameron beerben - und vergleicht in bester Trump-Manier die EU mit Hitler. Die Vorlage lieferte der Daily Telegraph - wer für die EU stimme, stimme für das "Vierte Reich"
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Brüder im Geiste: Boris Johnson will David Cameron beerben - und vergleicht in bester Trump-Manier die EU mit Hitler. Die Vorlage lieferte der Daily Telegraph - wer für die EU stimme, stimme für das "Vierte Reich"

2. Teil: Daily Telegraph: "Wer für die EU ist, stimmt für die Dominanz Deutschlands"

Währenddessen feiern wir Handelsbilanzüberschüsse, die im laufenden Jahr neun Prozent des BIP erreichen dürften. Die starke deutsche Wirtschaft spielt auch in der aktuellen Brexit-Diskussion in Großbritannien eine entscheidende Rolle. Nur selten wird es so offen ausgesprochen wie in einem Kommentar im konservativen The Telegraph.

In dem Beitrag werden die deutsche Wirtschaftspolitik und das Verweigern einer konstruktiven Lösung für die Probleme der Eurozone angeprangert. Dabei geht die Argumentation knapp beschrieben so:

  • Deutschland partizipiert an einer Schwachwährung, die ohne die Teilnahme Deutschlands schon lange kollabiert wäre. Deshalb kann Deutschland deutlich mehr exportieren, als wenn es noch die Deutsche Mark gäbe.
  • So gewinnt Deutschland Marktanteile und wirtschaftlicher Stärke gegenüber Euroländern wie Frankreich und Italien, denen es mit Franc und Lira besser erginge, aber auch gegenüber Großbritannien.
  • Zusätzlich befördert wird dieser deutsche Exporterfolg durch die einheitlichen Standards im Binnenmarkt, die naturgemäß die exportstarken Länder begünstigen würden.

"Germany is so rich, and getting richer at the expense not least of its partners", schreibt der Telegraph und schließt: "German domination of the EU means it has conquered without war, and signing up to the EU is signing up to the Fourth Reich." Natürlich eine Frechheit.

Sieht man über die Rhetorik hinweg, wird deutlich, dass eine Kombination aus Währungsdumping und unfairem Wettbewerb nach dieser Auffassung hinter dem deutschen Handelserfolg steht. Zu Ende gedacht kann die Lösung nur in einer Begrenzung der deutschen Exporte liegen.

Das Problem an dieser Argumentation ist - wie so oft bei populistischen Aussagen - dass sie durchaus einen Kern Wahrheit haben. In der Tat haben wir in den vergangenen Jahren vom schwachen Euro profitiert und uns darauf verlassen, billiger statt besser zu sein. So ist die Produktivität pro Kopf in den Jahren seit der Euroeinführung nur noch schwach gewachsen.

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