"Europa schon jetzt zu erpressbar" Von der Leyen sät Zweifel an Nord Stream 2

Die Abhängigkeit von russischem Öl und Erdgas ist zu groß und Europa damit erpressbar, warnt EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Sie sät damit starke Zweifel an der Gaspipeline Nord Stream 2.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Sicherheitskonferenz in München

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Sicherheitskonferenz in München

Foto: RONALD WITTEK / EPA

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (63), hat Zweifel an der Inbetriebnahme der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 gesät. "Ich halte uns in Europa für jetzt schon zu erpressbar, angesichts der Tatsache, dass 40 Prozent des Gases, das eingeführt wird, importiert wird nach Europa, russisches Gas ist", sagte von der Leyen am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will". Andere Experten sprechen von deutlich höheren Anteilen russischen Gases . Gazprom habe in den vergangenen Wochen "immer am untersten Rand die Verträge erfüllt", sagte von der Leyen weiter. Die Lager seien auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. "Das ist schon ein erstaunliches Verhalten."

Da stelle sich die Frage, was es für die Versorgungssicherheit Europas bedeuten würde, wenn Nord Stream 2 in Betrieb genommen würde, sagte von der Leyen. "Das würde bedeuten, dass die Versorgung durch die Ukraine nicht mehr unbedingt nötig ist." Als Konsequenz gäbe es eine "starke Zentrierung und Abhängigkeit von russischem Gas ausschließlich über Nord Stream 2 und Nord Stream 1".

Aber der Prozess zur Zulassung von Nord Stream 2 sei sehr klar, die Bundesnetzagentur müsse Fragen beantworten, deren Antworten dann der EU-Kommission vorgelegt würden. "Wir werden uns das anschauen", sagte von der Leyen.

Das "Wall Street Journal" kürzlich vorgerechnet, dass 85 Prozent der russischen Gas-Exporte und fast zwei Drittel der russischen Ölexporte nach Europa gehen . Von der Leyen macht eine andere Rechnung auf: Zehn Prozent der gesamten Energieversorgung in Europa kämen aus Russland, betonte die CDU-Politikerin. Sie habe in den vergangenen Wochen deshalb intensiv mit anderen Anbietern gesprochen, um die Versorgung zu diversifizieren. So seien im Januar 120 Schiffe mit Flüssiggas in Europa angelandet. Damit sei Europa in der Lage zu sagen, "sollte in einem Konflikt Russland die Gaslieferungen einschränken oder ganz beenden, so sind wir heute in der Lage, bis zum Ende des Winters auf der sicheren Seite zu sein".

Langfristig müsse sich Europa aber anders aufstellen. Die Netze böten sich genauso an etwa für grünen Wasserstoff. Das heiße für sie, "raus aus der Abhängigkeit von russischem Gas und rein in die Produktion von grünem Wasserstoff und erneuerbaren Energien."

rei/Reuters
Mehr lesen über