Inflationsbekämpfung Ukraine erhöht Leitzins von 10 auf 25 Prozent

Die Zentralbank der Ukraine hat ihren Leitzins erstmals seit dem Einmarsch der russischen Truppen erhöht. Der Zinssatz steigt ungewöhnlich kräftig.
Druck auf den Devisenmarkt verringern: Die Zentralbank in Kiew

Druck auf den Devisenmarkt verringern: Die Zentralbank in Kiew

Foto: Getty Images

Der Leitzins in der Ukraine werde von 10 auf 25 Prozent angehoben, teilte die Zentralbank des Landes am Donnerstag in Kiew mit. Damit soll die hohe Inflation gedämpft werden. Die Teuerungsrate hat zuletzt zweistellige Prozentwerte erreicht, was Einkommen und Ersparnisse entwertet.

"Die Notenbank geht davon aus, dass die Anhebung ausreichen wird, um den Druck auf den Devisenmarkt zu verringern und die Inflationserwartungen zu stabilisieren", hieß es in einer Mitteilung. Das sei die Voraussetzungen dafür, um später den Leitzins wieder senken zu können. Höhere Zinsen machen eine Währung attraktiver. Dies könne dabei helfen, "die Wechselkursstabilität zu gewährleisten und die Inflation während des Krieges einzudämmen".

Die Inflationsrate erreichte bereits vor Kriegsausbruch zweistellige Werte. Im April kletterte sie nach Schätzungen der Notenbank auf 16,4 Prozent, im Mai auf rund 17 Prozent. Zieht der Kurs der Landeswährung an, macht das Importe günstiger und kann so die Teuerung dämpfen.

Der Ukraine steht wegen des Angriffs durch Russland auch wirtschaftlich unter starkem Druck. Dieser zwang bereits 40 Prozent der Unternehmen zur Schließung. Zugleich wurden die Infrastruktur zerstört, Schifffahrtsrouten blockiert und Städte in Schutt und Asche gelegt.

Im Falle eines "länger andauernden Konflikts ohne klare Lösung" könne das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 60 Prozent einbrechen, sagen die Ökonomen der US-Großbank Morgan Stanley voraus. In diesem Szenario würde die Ukraine auch den Zugang zum Schwarzen Meer im Süden verlieren. Eigentlich gehen die Analysten von einem Einbruch von 39 Prozent für 2022 aus – wobei dabei ein längerer Konflikt "mit abnehmender Intensität" unterstellt wird.

hr/Reuters
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