Statussymbole russischer Oligarchen Der Kampf um die Superjachten

Die Jachten russischer Oligarchen geraten wegen des Ukraine-Kriegs immer stärker in den Blickpunkt. Unklar ist, ob die in Hamburg liegende Jacht „Dilbar“ des Milliardärs Alisher Usmanov beschlagnahmt wurde. Ein weiteres Luxusschiff, das Rosneft-Chef Igor Sechin zugeordnet wird, steht dagegen unter der Kontrolle französischer Behörden.
Mehr als 500 Millionen Euro Vermögenswert: Die Megayacht "Dilbar" des russischen Milliardärs Alisher Usmanov besitzt zwei Hubschrauber-Landeplätze, einen 25 Meter langen Swimmingpool und zwölf luxuriöse Suiten

Mehr als 500 Millionen Euro Vermögenswert: Die Megayacht "Dilbar" des russischen Milliardärs Alisher Usmanov besitzt zwei Hubschrauber-Landeplätze, einen 25 Meter langen Swimmingpool und zwölf luxuriöse Suiten

Foto: Peter Seyfferth / imago images

Viel Aufregung um die Jacht "Dilbar" des russischen Milliardärs Alisher Usmanov (68) im Hamburger Hafen. Nachdem das Magazin "Forbes " am Donnerstag von der Beschlagnahmung der über 500 Millionen Euro teuren Yacht berichtet hatte, dementierte eine Sprecherin der Hamburger Wirtschaftsbehörde am Nachmittag: "Nach unserer Kenntnis ist die Jacht nicht beschlagnahmt". Usmanov war zu Wochenbeginn wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine von der Europäischen Union (EU) mit Sanktionen belegt worden.

Vor unerwünschten Blicken geschützt: Die Megajacht "Dilbar" liegt derzeit verhüllt im Hamburger Hafen

Vor unerwünschten Blicken geschützt: Die Megajacht "Dilbar" liegt derzeit verhüllt im Hamburger Hafen

Foto: FABIAN BIMMER / REUTERS

Seit Ende Oktober liegt das 156 Meter lange Schiff, vor unerwünschten Blicken durch Planen geschützt, in der Werft von Blohm + Voss. Die mit der Umrüstung betrauten Mitarbeiter sollen laut "Forbes" seit Mittwoch nicht mehr zur Arbeit erschienen sein. Anderslautende Berichte konnten die Beschlagnahme jedoch nicht bestätigen. Demnach seien sich die Behörden noch uneinig, wer für eine solche Maßnahme zuständig ist. Hier geht es offenbar um Streitereien zwischen Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium.

Putin hatte Luxusjacht "Graceful" noch vor dem Angriff aus Hamburg fortschaffen lassen

In Hamburg ließ der zuständige Wirtschaftssenator jedoch verlauten, dass keine Jachten mehr den Hafen verlassen dürfen. Da diese in der Werft eine Wertsteigerung erfahren, unterliegen sie dem Zoll. Neben der "Dilbar" liegen im Hamburger Hafen auch die Jachten "Luna" von Farchad Achmedow (66) und "Solandge" von Suleiman Kerimow (55).

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Noch vor Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine hatte Präsident Wladimir Putin (69) seine eigene Luxusjacht aus dem Hamburger Hafen Richtung Kaliningrad bringen können. Das Schiff "Graceful" verließ kurz vor Kriegsausbruch überstürzt und noch vor Abschluss der Arbeiten das Dock der zum Bremer Schiffsbauunternehmen Lürssen gehörenden Werft Blohm + Voss.

Jacht von Rosneft-Chef Igor Sechin in Frankreich beschlagnahmt

Mehr Einigkeit bei den Behörden besteht unterdessen in Frankreich. Hier wurde vom Zoll an der Mittelmeerküste eine Jacht unter Kontrolle genommen, die offenbar dem Rosneft-Chef Igor Sechin (61) gehört. Das Schiff sei für Reparaturen in eine Werft in La Ciotat in der Nähe von Marseille gebracht worden, wo es dann in der Nacht zu Donnerstag in Beschlag genommen worden sei, teilte das französische Wirtschaftsministerium mit.

Die Jacht habe zu Beginn der Zollkontrolle noch auslaufen wollen und damit gegen geltende Regelungen verstoßen. Daraufhin sei die Beschlagnahmung ausgesprochen worden. Als Besitzer stellten die Beamten den Angaben zufolge ein Unternehmen fest, dessen Hauptaktionär auf der Sanktionsliste der Europäischen Union gegen russische Oligarchen stehe. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um Sechin handeln, der zum engsten Kreis der Putin-Vertrauten gehört.

Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire (52) hatte zuvor angekündigt, Besitztümer von sanktionierten Russen in Frankreich beschlagnahmen zu wollen. Hierzu werde man die rechtlichen Voraussetzungen schaffen.

Zahlreiche russische Jachten kreuzen derzeit vor den Malediven

Aus Furcht vor Sanktionen parken derzeit mindestens fünf Superjachten russischer Milliardäre auf den Malediven im Indischen Ozean. Dazu gehört auch die Jacht "Clio" von Oleg Deripaska (54), dem Gründer des Aluminiumriesen Rusal, wie die Schiffsdatenbank MarineTraffic  berichtet. Die Malediven haben kein Auslieferungsabkommen mit den Vereinigten Staaten.

hr mit Nachrichtenagenturen