Mittwoch, 24. April 2019

Türkische Lira stürzt, Inflation bleibt hoch Erdogan fordert Banken zur Zinssenkung auf

Recep Tayyip Erdogan muss einen wieder beschleunigten Wertverlust der türkischen Lira zur Kenntnis nehmen
AP/ Presidential Press Service
Recep Tayyip Erdogan muss einen wieder beschleunigten Wertverlust der türkischen Lira zur Kenntnis nehmen

Eine zeitlang schien es, die türkische Lira könnte sich erholen. Doch am Mittwoch ging es wieder steil bergab. Schon mischt sich Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erneut in die Geschäftspolitik von Banken ein und fordert sie auf, die Zinsen für Kredite deutlich zu senken.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan lässt mit seiner Kritik an den hohen Zinsen im Land nicht nach. Banken sollten Unternehmern Kredite mit geringeren Sätzen anbieten, um für Investitionen zu sorgen, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag. "Dieser niedrige Zins wird die Inflation nach unten bringen."

Die Teuerungsrate war im September auf fast 25 Prozent geklettert - der höchste Wert seit 15 Jahren. Um sie einzudämmen, hat die türkische Zentralbank zuletzt gegen den Wunsch des Staatschefs die Leitzinsen kräftig um 6,25 Punkte auf 24 Prozent angehoben.

Die Sorge vor einer zu starken Einflussnahme des Präsidenten auf die eigentlich unabhängige Notenbank hat mit dazu beigetragen, dass die Lira Börsen-Chart zeigen seit Jahresbeginn rund ein Drittel an Wert eingebüßt hat.

Lira verliert wieder deutlich, keine weitere Zinserhöhung erwartet

Am Mittwoch hat die türkische Lira Börsen-Chart zeigen erstmals seit Anfang Oktober wieder kräftig abgewertet. Am Vormittag wurde ein Euro für 6,72 Lira gehandelt. Am Morgen mussten nur 6,50 Lira gezahlt werden. Zuvor hatte sich die Währung vom herben Kurseinbruch im August ein Stück weit erholen können.

Marktbeobachter erklärten den aktuellen Kursrückgang mit jüngsten Meldungen, die auf Unstimmigkeiten in der türkischen Regierungskoalition hindeuten. Am Devisenmarkt rückt außerdem die nächste Zinsentscheidung der türkischen Notenbank am morgigen Donnerstag stärker in den Fokus. Analysten gehen trotz hoher Inflation davon aus, dass der Leitzins unverändert bei 24,0 Prozent festgelegt wird.

Erdogan hat sich selbst wiederholt als "Gegner der Zinsen" bezeichnet. Von niedrigeren Sätzen erhofft er sich einen Schub für das Wirtschaftswachstum. Seine Ansicht zur Inflation und den Zinsen stünde womöglich im Widerspruch zu denen der Akademiker, sagte Erdogan der Agentur. Diese würden aber keine Belege liefern, er dagegen schon. "Daher nenne ich den Grundsatz: Zinsen sind die Ursache, Inflation das Resultat."

Der Lira-Absturz ist indes auch ein Problem für die Banken selbst, nagt er doch erheblich an ihren Kapitalpuffern. Die US-Ratingagentur Moody's hatte Ende August 18 türkische Banken und zwei weitere Finanzinstitut herabgestuft. Ein wichtiger Grund ist der hohe Anteil der Auslandsschulden der Institute bei gleichzeitig Lira-Absturz.

rei mit Nachrichtenagenturen

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