Finanzminister Albayrak tritt zurück Nun auch der Schwiegersohn - so will Erdogan den Sturz der Lira stoppen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan setzt Notenbankchef Uysal ab, auch sein Schwiegersohn und Finanzminister Albayrak geht - die Lira schießt hoch.
Entwertung: Die Türkische Lira ist seit Januar um 30 Prozent abgestürzt - nun erklärt auch Erdogans Schwiegersohn, Finanzminister Berat Albayrak (rechts), seinen Rücktritt

Entwertung: Die Türkische Lira ist seit Januar um 30 Prozent abgestürzt - nun erklärt auch Erdogans Schwiegersohn, Finanzminister Berat Albayrak (rechts), seinen Rücktritt

Foto: Osman Orsal/ REUTERS

Der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan (66), will den Absturz der Landeswährung Lira durch den Austausch seines Spitzenpersonals stoppen. Nachdem der Präsident am Samstag Notenbank-Chef Murat Uysal (49) ersetzt hatte, reichte am Sonntag Finanzminister Berat Albayrak (42) seinen Rücktritt ein. Ob dieses Personalkarussell den Sturzflug der Währung langfristig aufhalten wird, muss sich noch erweisen - schließlich hat Erdogans Isolationskurs gegenüber dem Westen zuletzt die türkische Lira weiter unter Druck gesetzt.

Am Montag allerdings zeigten die Personalien zunächst einmal deutliche Wirkung: Die türkische Lira   legte in der Spitze um mehr als 6 Prozent zu. Das ist der größte Kursanstieg seit mehr als zwei Jahren. Allerdings hat die Währung im laufenden Jahr bereits 30 Prozent zum Dollar nachgegeben.

Erdogan ersetzt Notenbankchef durch Ex-Finanzminister

Albayrak diente die vergangenen zwei Jahre als Finanzminister und war zuvor drei Jahre Energieminister. Sein Rücktritt kam für Experten und Abgeordnete überraschend. Der Vize-Vorsitzende der regierenden AK-Partei, Mehmet Mus (38), äußerte auf Twitter in einer ersten Reaktion die Hoffnung, dass Erdogan den Rücktrittsgesuch ablehnen werde. Albayrak habe wichtige Schritte zur Stärkung der Wirtschaft unternommen. Vize-Verkehrsminister Ömer Fatih Sayan (43) sprach sich ebenfalls gegen einen Rücktritt aus. "Unser Land, unser Volk und unsere Gemeinschaft brauchen Sie", schrieb er an Albayrak gerichtet.

Erdogan hatte am Samstag Notenbank-Chef Uysal per Erlass durch Ex-Finanzminister Naci Agbal (52) ersetzt. Während Analysten diesen Schritt begrüßten, kritisierte ihn die Opposition: Dadurch erhöhe sich der Einfluss Erdogans auf die Geldpolitik des Landes.

"Was noch fehlte, war eine an die Partei angeschlossene Zentralbank, jetzt ist es so weit", sagte ein Abgeordneter der Republikanischen Volkspartei (CHP). Erdogan hatte Uysal im Juli 2019 an die Spitze der Notenbank befördert, nachdem er dessen Vorgänger Murat Cetinkaya (44) im Streit über aus seiner Sicht zu hohe Zinsen gefeuert hatte. Die nächste Zinsentscheidung steht am 19. November an.

Zinsgegner Erdogan sieht sein Land in einem "Teufelsdreieck"

Erdogan ist ein erklärter Zinsgegner. Er sieht sein Land in einem Wirtschaftskrieg gegen ein "Teufelsdreieck" aus Zinssätzen, Wechselkursen und Inflation. Der Präsident hatte sich von den von ihm maßgeblich mit angestoßen jüngsten Zinssenkungen mehr Anschubhilfe für die Wirtschaft erhofft.

Die Krise der türkischen Lira   wird durch eine hohe Inflation getrieben. Diese betrug zuletzt 12 Prozent, während die Notenbank 5 Prozent anstrebt. Auch die stark geschmolzenen Währungsreserven der Türkei haben die Talfahrt beschleunigt. Zudem lasten Spannungen im Verhältnis zur EU und den USA sowie die Sorge über mögliche Sanktionen auf der Währung des Schwellenlandes.

Auf der politischen Seite belasten die zahlreichen militärischen Konflikte, in die die Türkei involviert ist, wie in Syrien oder Libyen. Darüber hinaus sind die diplomatischen Beziehungen der Türkei zu zahlreichen westlichen Partnerländern angespannt, etwa zu den USA, Frankreich oder Griechenland. Analysten gehen davon aus, dass es nach dem Wahlsieg von Joe Biden in den USA zu weiteren Spannungen zwischen den Regierungen in Ankara und Washington kommen könnte.

Von Orhan Coskun und Nevzat Devranoglu, Reuters