Corona-Krise drückt BIP kräftig Türkische Wirtschaft mit Rekordeinbruch im zweiten Quartal

Die türkische Wirtschaft ist im zweiten Quartal besonders hart durch die Einschränkungen der Corona-Krise getroffen worden. Die gleichzeitige Währungskrise hat die Situation noch verschlimmert.
Leere Strände in Antalya, Türkei: Die türkische Wirtschaft leidet besonders unter dem Wegbleiben der Touristen

Leere Strände in Antalya, Türkei: Die türkische Wirtschaft leidet besonders unter dem Wegbleiben der Touristen

Foto: Marius Becker/DPA

Die Corona-Krise hat für einen historischen Konjunktureinbruch in der Türkei gesorgt. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 11,0 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt am Montag mitteilte. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1998. Damit traf die Pandemie das lange Zeit boomende Schwellenland stärker als die deutsche Wirtschaft, die um 9,7 Prozent einbrach.

Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ging die türkische Wirtschaftsleistung mit 9,9 Prozent so stark zurück wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hier aber mit einem deutlicheren Minus von 11,8 Prozent gerechnet. Im ersten Quartal 2020 ist das Bruttoinlandsprodukt noch um 0,6 Prozent gewachsen.

Das Land leidet unter anderem am Fernbleiben der Touristen. Wegen der Reisebeschränkungen kamen deutlich weniger Urlauber. Zudem macht der Türkei eine Währungskrise zu schaffen. Eine hohe Inflation, negative Realzinsen, geschröpfte Devisenreserven und die steigende Nachfrage der Türken nach anderen Währungen sorgten für eine kräftige Abwertung der Lira, die in den vergangenen Wochen auf immer neue Rekordtiefs zu Dollar und Euro fiel.

Um die Währung attraktiver zu machen, könnte die Zentralbank die Zinsen erhöhen. Dem steht allerdings Präsident Recep Tayyip Erdogan (66) im Wege. Dieser hat sich wiederholt als "Zinsfeind" bezeichnet. Trotz der Talfahrt der Lira beließ die Zentralbank ihren Leitzins zuletzt bei 8,25 Prozent. Zuvor hatte sie den Zinssatz in einem fast ein Jahr lang währenden Lockerungszyklus von 24 Prozent auf den aktuellen Satz heruntergeschraubt. Damit soll die Konjunktur angekurbelt werden.

Polen steht mit -8,2 Prozent noch ganz gut da

Auch in Polen sorgte die Corona-Krise für einen deutlichen Einbruch in der Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel hier im zweiten Quartal um 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das teilte die Statistikbehörde GUS am Montag in Warschau mit. Die polnische Regierung hatte Ende März Ausgangsbeschränkungen und weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie beschlossen und später schrittweise wieder zurückgefahren. Im ersten Quartal war die polnische Wirtschaft noch um 2 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr 2019 gewachsen.

Italien korrigiert BIP-Wert nach unten

Unterdessen hat das italienische Statistikamt seinen BIP-Wert für das zweite Quartal nach unten korrigiert. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen April und Juni um 12,8 Prozent zum Vorquartal. Bisher ging man von einem Wert von minus 12,4 Prozent aus. Die Corona-Krise mit den vielen Einschränkungen belastete vor allem Verbraucher, Unternehmen und Außenhandel. Die Ausgaben für den privaten Konsum purzelten im Frühjahr um 8,7 Prozent, während die Investitionen um fast 15 Prozent sanken und die Exporte um 26,4 Prozent einbrachen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal verlor die Wirtschaft insgesamt 17,7 Prozent an Fahrt.

In Italien sind bislang 35.500 Menschen gestorben, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Damit ist das Land besonders stark von dem Virus-Ausbruch betroffen. Es erwartet wegen der strikten Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie eine starke Rezession für 2020. Die EU-Kommission rechnet damit, dass die nach Deutschland und Frankreich drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im Gesamtjahr um 11,2 Prozent einbricht. Die offizielle Prognose der Regierung in Rom liegt bei einem Minus von 8 Prozent. Doch Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri (54) hat bereits signalisiert, dass diese Schätzung wohl noch gesenkt werden müsse. Gualtieri betonte jüngst allerdings auch, dass das laufende dritte Quartal nun starkes Wachstum bringen dürfte.

Spanien rechnet mit zweistelligem Wachstum im dritten Quartal

Davon geht man auch in Spanien aus. Der Regierung zufolge macht die Wirtschaft hier große Fortschritte auf dem Weg der Erholung. Im laufenden dritten Quartal zeichne sich ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um mehr als 10 Prozent ab, sagte Wirtschaftsministerin Nadia Calvino (51) am Montag. Insbesondere am Arbeitsmarkt sei eine starke Erholung im Gang.

Das BIP war im Frühjahr im Rekordtempo geschrumpft - und zwar um 18,5 Prozent zum Vorquartal. Im Zuge der Virus-Krise ist auch die ohnehin hohe Arbeitslosigkeit in Spanien massiv gestiegen. Zwischen April und Juni ging eine Million Jobs verloren - so viele wie nie zuvor in einem Quartal. Auch Spanien hatte im Frühjahr im Kampf gegen die Corona-Pandemie strikte Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verhängt, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Insbesondere der für das Land wichtige Tourismussektor wurde von der Krise hart getroffen. 

mg/Reuters
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